Artikel zum Thema: Kritik
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Fachdienst medienAnrührend komisch

Woody Allen, der dieser Tage 80 Jahre alt wurde, präsentiert jedes Jahr einen neuen Film. Matti Geschonneck dagegen bringt es auf mindestens zwei Fernsehfilme pro Jahr. Und im Unterschied zu Woody Allen, dem von manchen Kritikern vorgeworfen wird, er variiere nur noch die Themen seiner früheren Filme, sind Matti Geschonnecks Fernsehfilme zwar immer daran zu erkennen, dass ein virtuoser Regisseur dahinter steht. Aber sowohl die Sujets und die Genres seiner Filme als auch die Milieus, die er evoziert, könnten unterschiedlicher nicht sein.

Fachdienst medienAußergewöhnlich gelungen

Lobpreisungen begleiten den Weg dieser "Eventserie", seit sie mit den ersten zwei Folgen beim diesjährigen "Berlinale Special" Premiere feierte und UFA Fiction kurz danach verkündete, sie werde "als erste deutschsprachige Serie überhaupt" vor ihrer Ausstrahlung fürs heimische Publikum im Programm eines amerikanischen Kabelsenders (Sundance TV) gestartet.

Fachdienst medienBayern normal

"Na ja, für so'n Anfang hier war das schon... war das schon...", stammelt der von den dramatischen Geschehnissen noch ganz mitgenommene Nürnberger Kommissar Felix Voss (Fabian Hinrichs), als seine Kollegin Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) ihn am Ende des neuen "Tatorts" aus Franken fragt, ob alles in Ordnung sei. Klingt, als ob Regisseur und Autor Max Färberböck dem Kritiker seine Selbstbeurteilung hier in den Block hätte diktieren wollen. Warum nicht, trifft schließlich zu: Denn für so'n Anfang, war das schon... war das schon...

Fachdienst medienBerufsrisiko

Seit 2014 ist der Beitrag der Haftpflichtversicherung für freiberufliche Hebammen dramatisch angestiegen. Auswirkungen hat das vor allem für die Aufgabe der Geburtsbegleitung. Schwangerschaftsgymnastik und Geburtsvorbereitungskurse sind eine vergleichsweise risikolose Unternehmung. Anders aber sieht es mit der Betreuung während des Geburtsvorgangs aus. Die meisten Behinderungen entstehen währenddessen, auch wenn manch ideologisch bewegte Hebamme die Natürlichkeit des Vorgangs gleichsam absolut setzen möchte.

Fachdienst medienBiedere Komödie

Zahlreich und sehr beliebt sind "Culture-Clash"-Komödien, in denen Angehörige verschiedener Kulturen aufeinandertreffen und sich an ihren jeweiligen Vorurteilen abarbeiten, bis sie zu der erbaulichen Erkenntnis gelangen: Im Grunde sind wir doch alle Menschen, die voneinander lernen und friedlich zusammenleben können. Solche Komödien spielen, mal mehr, mal weniger satirisch, mit den Klischees, die als typisch für beide Seiten gelten.

Fachdienst medienBitte Fortsetzen!

Die Stadt: Berlin. Die Macht: ein Sumpf aus Korruption, Intrigen, Kumpanei und einem jahrelang vertuschten Mord. Berlin wird regiert von einer großen Koalition aus CDP und SDU. An deren Spitze: Manfred Degenhardt (Burghart Klaußner), SDU-Bürgermeister, und Karl-Heinz Kröhmer, kurz KK genannt (Thomas Thieme), Fraktionsvorsitzender der CDP. Bisher saßen die beiden, die sich schon aus DDR-Zeiten kennen, fest im Sattel. Nun aber hat sich der Bauunternehmer Griebnitz in den Tod gestürzt, weil ihm öffentliche Bauaufträge entzogen worden sind.

Fachdienst medienBitte Fortsetzen!

Die Stadt: Berlin. Die Macht: ein Sumpf aus Korruption, Intrigen, Kumpanei und einem jahrelang vertuschten Mord. Berlin wird regiert von einer großen Koalition aus CDP und SDU. An deren Spitze: Manfred Degenhardt (Burghart Klaußner), SDU-Bürgermeister, und Karl-Heinz Kröhmer, kurz KK genannt (Thomas Thieme), Fraktionsvorsitzender der CDP. Bisher saßen die beiden, die sich schon aus DDR-Zeiten kennen, fest im Sattel. Nun aber hat sich der Bauunternehmer Griebnitz in den Tod gestürzt, weil ihm öffentliche Bauaufträge entzogen worden sind.

Fachdienst medienCharme des Amateurhaften

Jetzt hat das Stilmittel Improvisation auch den "Tatort" erreicht. Und wenn einer mit improvisierten Filmen langjährige Erfahrung hat, dann ist es Axel Ranisch. Er hat es bewiesen mit seinen von Kritikern gefeierten Filmen wie "Ich fühl mich Disco" und "Alki Alki".

Fachdienst medienDer rasende Rollkoffer

Wann ist das Thema "Burn-out" eigentlich wieder aus der Mode gekommen? War es, als sich nach und nach herumsprach, dass viele Psychologen und Psychiater hinter der Lifestylekrankheit doch nichts anderes zu sehen vermochten als die altbekannte und nach wie vor niemanden schmückende Depression? War es, als das Gerede über die "Generation Y" aufkam, die das Leben angeblich nicht mehr dem Beruf unterordnen will und das kurz zuvor doch so angesagte Gearbeite, Gerenne und Gebrenne plötzlich als altmodisch erscheinen ließ?

Fachdienst medienDie Farbe des Propheten

Der junge Syrer Mohammed Khalef fühlt sich in Deutschland sofort aufgenommen, ihm gefällt die Landschaft, er sieht Zukunft. Zunächst ist er im Durchgangslager Friedland gelandet, dort kann er, wie die anderen, zwei Wochen bleiben, dann wird er weitergeschickt. Er hat auch schon von Freunden gehört, dass es Deutsche gibt, die keine Ausländer mögen. Er kommt nach Sachsen-Anhalt. Ein Zimmer wird ihm zugewiesen in einem Wohnheim, Stockbetten, Tisch, Stuhl, Schrank. So hat er sich das nicht vorgestellt.

Fachdienst medienDiebisches Vergnügen

Die To-do-Liste klebt an der Innenseite des Küchenschranks: "1. Job sichern. 2. Abnehmen. 3. Ehrlich werden." Verfasst hat diese Liste Lorenz Brahmkamp (Charly Hübner), in höchster Not. Denn seine Frau Katrin (Lina Beckmann) hat ihn verlassen, um zu ihrem Partner aus dem Tanzkurs zu ziehen. Sie hat die Nase voll von ihrem dicken, faulen Mann, dem es an beruflichem Ehrgeiz mangelt - er ist Sachbearbeiter im Baureferat -, der sich auch vor Reparaturen im Haushalt drückt und sich ständig mit Notlügen durchs Leben mogelt.

Fachdienst medienDüsteres Drama

Verdeckte Ermittler sind Klassiker des Polizeifilms: Sie sind besonders reizvolle Figuren, weil sie als Einzelgänger auf beiden Seiten agieren und weil in dem Spiel mit verschiedenen Identitäten auch die Grenze zwischen Gut und Böse, Richtig und Falsch verschwimmt. Klaus Roth (Tom Schilling) soll in seinem ersten Job als verdeckter Ermittler Informationen über die serbische Wettmafia sammeln. Dazu muss er das Vertrauen von Luka Moravac (Edin Hasanovic) gewinnen.

Fachdienst medienEcht überzeichnet

Drehbuchautor: Ich hab da 'ne ganz tolle Idee für 20.15 Uhr. Was anderes, böse, ein bisschen dunkel, schräg, sarkastisch. Und trotzdem unterhaltsam. Familienprogramm.

Redakteurin: Klingt gut, was ist es denn?

Fachdienst medienEin Alptraum

"Kinder können einem das ganze Leben versauen." Dieser bittere Satz stammt zwar aus einem anderen Film, wäre hier aber auch nicht ganz falsch, wenn man denn etwas präzisierte: Kinder und Eltern können sich das Leben sehr gründlich versauen.

Fachdienst medienEin Loch im Herzen

Die Frage "Fluch oder Segen?" kann man sich bei der modernen Medizin kaum stellen, denn es geht nicht um eine Alternative, die Medizin ist beides. Besonders die Pränataldiagnostik hat ihre Tücken. Da erwartet eine moderne Patchworkfamilie - beide Eltern haben je eine Tochter aus einer früheren Verbindung in die Ehe mitgebracht - ihr erstes gemeinsames Kind und ist entsprechend frohgemut, als bei einer Ultraschalluntersuchung offenbar wird: Was da unterwegs ist, bei dem stimmt was nicht. Die Proportion von Kopf und Rumpf entspricht nicht der Norm.

Fachdienst medienEine moralische Angelegenheit

Es dauert lange, bis Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) in "Und vergib uns unsere Schuld" seinen Gang nach Canossa unternimmt. Erst wendet er sein ganzes professionelles Instrumentarium an, legt seine ganze Berufserfahrung in die Waagschale, um den "Spinner" von sich fern zu halten. Der ehemalige Architekt Jens Baumann (Karl Markovics) behauptet, nicht der dorfbekannt infantile Tim Haffling (Sebastian Griegel) habe vor neun Jahren die 16-jährige Miriam Springer (Lola Dockhorn) umgebracht, sondern er selbst.

Fachdienst medienErfreuliches Experiment

Autos und Züge fahren durch unspezifische Landschaften, Männer mit kleinen Kopfhörern im Ohr schauen unauffällig angespannt auf. Man hört zwar per Off-Kommentar, dass Martin Luther anno 1518 auf dem Weg nach Augsburg sei, und Aussagen der Experten aus unterschiedlichen Fachgebieten, die zu jeder Geschichts-Doku gehören, sind in die flüssige Schnittfolge integriert. Aber die vom MDR verantwortete ARTE-Sendung nutzt einen einfachen und verblüffend gut funktionierenden Weg, um Zuschauer zum Hingucken bewegen.

Fachdienst medienErhöhter Beobachterposten

Es gibt ein fundamentales Orientierungsbedürfnis des Menschen in seiner Umwelt. Schon um 1500 vor Christus entstand der Stadtplan von Nippur. Er zeigt Festungsanlagen, die Hauptgebäude und einige topografische Elemente der ehemaligen heiligen Stadt in Mesopotamien, heute im Irak gelegen. Auch die Ägypter verstanden sich auf die Kartografie, selbst die Anlage von Königsgräbern wurde umfassend dokumentiert. Das Großreich Babylon wiederum findet sich auf einer Tontafel von 600 vor Christus dargestellt als Mittelpunkt der Welt.

Fachdienst medienEthische Klettertour

Die Eingangsszene dieses Fernsehfilms zum Thema Präimplantationsdiagnostik kann man als Bild fürs Leben verstehen: Eine Frau klettert mit verbundenen Augen an einer Steilwand im Hochgebirge, gesichert von ihrem Mann. Als sie nicht weiter weiß, weil sie sich an den Weg nicht mehr erinnert, gibt er ihr einen Tipp. Ähnlich ist es im Leben, in dem wir letztlich alle blind unterwegs sind, das lebensgefährlich ist, in dem man sich versteigt - und in dem man auf den Nächsten angewiesen ist. Man kann, aber man muss nicht.

Fachdienst medienEtwas lebt fort

Man glaubt es kaum, aber es stimmt: die Geschichte der Anne Frank wurde bisher in Deutschland nicht verfilmt. Und es ist vielleicht gut so, dass es erst jetzt passiert, wo filmkünstlerische Mittel zur Verfügung stehen, die verhindern, dass die allseits lauernde Sentimentalität das Projekt verdirbt.

Fachdienst medienGott ist größer

"Wo bleibt eigentlich der berühmte jüdische Humor", will die Münchnerin Zahra von ihrem israelischen Liebsten Benni wissen. Schließlich waren die Sicherheitsbeamten nicht amüsiert, als bei der Personenkontrolle auf dem Münchner Flughafen für den Flug nach Tel Aviv plötzlich Zahras "Allahu akbar" brüllender Scherz-Wecker im Koffer losging. Eine Flughafenhalle voller Menschen wähnte sich bereits sicher als Opfer eines Selbstmordattentats.

Fachdienst medienInnenansicht des Pressewesens

Es war im Jahr 1987. Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Uwe Barschel, CDU, überlebt die Bruchlandung eines Flugzeuges. "Der Fall Barschel" zeigt dieses Unglück in der Exposition, wir sehen, wie die Maschine ausbrennt. Dann kommen die Sanitäter angerannt und schleppen jemanden aus den Trümmern ab. Kaum zu glauben: Der Ministerpräsident! Jemand, der dem Tod so knapp von der Schippe gesprungen ist, muss viel aushalten.

Fachdienst medienKaltes Blut

Figuren und Geschichte sind es nicht, die diese als "Event" an nur drei Tagen in fünf Folgen ausgestrahlte ZDF-Serie besonders macht: Waidwunder Kriminalpolizist mit Dreck am Stecken wird von seinem Partner gedeckt, der spätestens ab dann auch seine Unschuld verloren hat.

Fachdienst medienKein Kinderwunsch

Die Sache mit dem punktierten Kondom ist für Anna (Franziska Weisz) dann doch zu viel. Ein Betrugskondom in Philipps Tasche zum Zweck, sie heimlich und gegen ihren Wunsch zu schwängern. Der ultimative Vertrauensbruch. Ihm (Felix Klare) war schon unwohl dabei, sie zu hintergehen, also wollte er mit schlechtem Gewissen, aber neuerdings kaum zu stoppendem Fortpflanzungsbegehr das Schicksal die Entscheidung treffen lassen. Zwei Kondome zur Auswahl, eins in goldener Verpackung, intakt.

Fachdienst medienKlassisches Geschichtsfernsehen

Das Bild ging um die Welt: US-Präsident Barak Obama und Kubas Präsident Raul Castro beim Händedruck. Ende einer feindseligen Ära, Beginn einer neuen Politik, ein weltpolitischer Einschnitt. Wie kam es dazu? Wie verlief die Geschichte Kubas? Wer Kuba verstehen will, so steht es als Leitsatz über der Produktion von ZDFinfo, der muss seine Vergangenheit kennen. 

Fachdienst medienLangsamkeit in Serie

Deutschland im Jahr 1988. Eigentlich ist Ralf "Ralle" Pietzsch ein braver DDR-Bürger. Als NVA-Angehöriger bewacht er die Grenze zwischen Thüringen und Franken, in dem (fiktiven) tristen kleinen Kaff Sedwitz. Hier passiert nicht viel, außer dass gutmenschelnde Westlehrerinnen mit ihrer Schülerschar nervige Briefchen in den Osten segeln lassen - vom Aussichtsturm, von dem aus man in die DDR wie in einen Zoo blicken kann. Dass dieses Ländchen damals, 1988, in schrecklicher Agonie erstarrt war, ist nicht Thema dieses Komödienversuchs.

Fachdienst medienLeben gegen Leben

So einen schicken Saal dürfte es in keinem deutschen Gericht geben: Glatte Sichtbetonwände, edle schwarze Eames-Stühle, durch die raumhohen Fenster ist nicht weit entfernt der Reichstag zu sehen: Schon das überhöhende Setting des ARD-Films "Terror" macht klar, dass es hier ums Ganze geht. Um die Werte der Republik, um das Grundgesetz. Es geht, wie die Staatsanwältin (gespielt von Martina Gedeck) erläutert, um die Menschenwürde.

Fachdienst medienLeidlich amüsant

Was für eine blödsinnige Ergänzung des schlichten Romantitels "Chuzpe", der zwar auch schon eine Notlösung des Wortspiels im amerikanischen Original, "You Gotta Have Balls", gewesen ist. Aber fürs deutsche Fernsehpublikum reicht das anscheinend nicht, das muss mit hemdsärmeliger Albernheit geködert werden. Und was nun als angeblich jüdische Vater-Tochter-Tragikomödie "nach Motiven” des Romans von Lily Brett ins deutsche Fernsehen kommt, wurde auch noch von New York nach Berlin verpflanzt.

Fachdienst medienLuther und die Folgen

Wie also geht der Mensch jetzt und in Zukunft mit dem "Sündenfall der Reflexion" (Hegel) um? Mit jenem Danaergeschenk des freien autonomen Ichs, das nicht zuletzt durch Luther und die Reformationsbewegung vor 500 Jahren als dauernde Aufgabenstellung unter uns gekommen ist?

Fachdienst medienMeisterwerk des Unbehagens

Verteufeln will er es nicht, das Internet. Aber Aufklärung muss sein. Bewusst machen sollen sich die Jugendlichen, was mit den Informationen und Bildern passieren kann, die sie im Netz preisgeben. "Für Kriminelle seid ihr eine Ware", sagt der medienpädagogisch engagierte Lehrer Simon Keller (Devid Striesow) den Schülern, die vor ihm sitzen. Ihm hören sie zu, denn er predigt nicht, er verbietet nicht, er nimmt sie ernst. Er arbeitet mit praktischen Beispielen.

Fachdienst medienModernes Weihnachtsmärchen

Es war einmal ein kalter, winterlicher Wald. Die Kamera zeigt ihn von hoch oben. Drunten sammeln zwei arme junge Frauen - Halbwaisen, wie sich zeigen wird - Reisig. Weihnachten steht vor der Tür, und mit ein paar grünen Tannenzweigen möchte eine der Schwestern dem einsamen Vater daheim noch eine Freude machen. Doch als sie nach Hause kommen, ist der Vater und Ernährer tot.

Fachdienst medienMoralisches Anliegen

Viel zu lang, um sie aufzuzählen, ist die Liste der Fernsehfilme, die nach Drehbüchern von Beate Langmaack und unter Kai Wessels Regie - mehrfach auch in Zusammenarbeit - entstanden sind. Preisgekrönte Filme der beiden sind darunter, auch das hinreißende Experiment des SWR, die Echtzeit-Serie "Zeit der Helden". Und wenn nun im neuen Film des Duos Wessel/Langmaack die Titelrolle auch noch von Hannelore Hoger übernommen wurde, könnte das zu den schönsten Hoffnungen berechtigen. Leider wird aber die Hoffnung schnell enttäuscht.

Fachdienst medienOdyssee im Datenweltraum

Selbst nach gut 45 Jahren ist die Reihe "Tatort" immer noch für Überraschungen gut, die weit über das übliche Krimimuster hinausgehen. Es gab auch früher schon Beiträge mit Science-Fiction-Elementen ("Tod im All" von Thomas Bohn, 1997), und wie man einen fesselnden Film als anspielungsreichen Zitatenschatz inszeniert, haben Florian Schwarz und Michael Proehl 2014 mit ihrem Shakespeare-Western "Im Schmerz geboren" gezeigt (Kritik in epd 41/14). Niki Stein geht mit seinem "Tatort" aus Stuttgart aber noch weiter.

Fachdienst medienPragmatikerin mit Prinzipien

Der erste Auftritt des Reformators in diesem Film kommt nicht nur spät, sondern wirkt auch etwas, nun, improvisiert. Keine Kanzel, keine große Rede, kein theologischer Exkurs. Die Nonnen um Katharina von Bora sind gerade aus dem Kloster Nimbsch geflohen, mit einem Wagen, den ihnen Martin Luther geschickt hat. In der Stadt Wittenberg erwartet die Frauen, die ihr Gelübde gebrochen haben, eine aufgebrachte Volksmenge, die sie als Huren beschimpft. Als Luther am Schauplatz erscheint, schlichtet er das Tohuwabohu durch seine Autorität und hilft den Nonnen vom Wagen.

Fachdienst medienReine Nervensache

Kaum freut sich die Konkurrenz, dass "Wer wird Millionär?" in die Sommerpause geht, zieht RTL das nächste Quiz aus dem Hut: Fünf Wochen lang lädt Günther Jauch auf dem Sendeplatz des Dauerbrenners zum "vielleicht härtesten Quiz aller Zeiten", wie der Sender die Show anpreist. Das klingt etwas verwegen, aber tatsächlich wirkt "Wer wird Millionär?" im Vergleich zu dem US-Import ("500 Questions", ABC) wie eine gemütliche Fragerunde: Der Kandidat hat nur fünf Sekunden Zeit für die jeweilige Antwort.

Fachdienst medienRotzfrech und eigensinnig

Im Jahr 2013 verstarb der Schauspieler Dieter Pfaff, unter anderem bekannt als ARD-Fernsehreihen-Psychotherapeut Dr. Maximilian Bloch. Der SWR begab sich auf die Suche nach einer Nachfolge im Psychoressort. SWR-Redakteur Ulrich Hermann hatte eine Idee, die der Sender von Wolfgang Strauch als Drehbuchautor und Torsten C. Fischer umsetzen ließ. 

Fachdienst medienSchlachtfest

Immer wieder schwer zu glauben, was heutzutage um 20.15 Uhr alles so im Fernsehen kommt. Jedenfalls für Leute, die nicht oft fernsehen. "Wann läuft denn so was im TV?", will der Mitbewohner wissen, der zwischendurch ins Zimmer kommt. Am Schluss von "Dengler" werden große Fleischbrocken in Plastikwannen aus einem privaten Schlachthaus getragen, die höchstwahrscheinlich von einem frisch zerteilten Rumänen stammen. "Um 20.15 Uhr." - "Gibt's ja wohl nicht."

Fachdienst medienSinnlos pathetisch

Was für ein ästhetisch durchgestyltes Bild: Mit eingefrorener Mimik, die großen Augen unter der wächsern ausgeleuchteten hohen Stirn weit aufgerissen, sitzt eine junge schöne Frau im schulterfreien schwarzen Kleid an einem Tisch und blickt regungslos in die Kamera. Zwei Männerhände legen sich von hinten auf ihre nackten Schultern, eine Männerstimme raunt drohend etwas über das Märchen vom Wolf und den sieben Geißlein: "Aber in Wahrheit bleibt der Wolf immer ein Wolf. Und die Frage lautet: was sind Sie?"

Fachdienst medienSolides Solo

Immer mehr Menschen werden obdachlos oder sind von Obdachlosigkeit bedroht. Das sagen alle seriösen Schätzungen und Statistiken. Der Film "Auf der Straße" erzählt also eine aktuelle und zugleich gesellschaftlich relevante Geschichte. Hanna Berger (Christiane Hörbiger) ist 75, als ihr Mann plötzlich stirbt. Er hinterlässt ihr Schulden, die Eigentumswohnung in einem gutbürgerlichen Viertel ist noch lange nicht abgezahlt.

Fachdienst medienStarke Darstellerinnen

Im Redaktionsflur des "Puls" hängt ein großes Nixon-Plakat. Achtlos geht Anke Engelke als Chefredakteurin Karin Berger daran vorbei, bleibt einmal davor stehen, den Rücken der präsidialen Reizfigur zugewandt. Zu viel ist zu diesem Zeitpunkt schon passiert, als dass sich die journalistische Leuchtturmfigur Berger, als die wir sie kennengelernt haben, noch selbstzufrieden an die Brust klopfen könnte. Es hat vermutlich Tote gegeben und verschiedene Kasualitäten. Zum Beispiel Bergers Unbestechlichkeit.

Fachdienst medienTolle Typen

Nein, es ist nicht die Wall Street in New York, wie vor vier Wochen im ZDF-Film "Der Bankraub". Es ist nur die Frankfurter Skyline, über deren gläserne Hochhausfassaden und tiefe Schluchten die Kamera so weltläufig dahinschwebt. Aber um Betrug und Millionenbeträge im Bankenmilieu geht es auch hier schon wieder. Es wird sogar nach derselben dramaturgischen Regel wie im "Bankraub" verfahren, die da lautet: Beginne mit einem Knalleffekt, und erzähle erst dann, wie es dazu gekommen ist.

Fachdienst medienTörichtes Geplänkel

Wenn die Regisseurin von "Traumschiff"-, "Inga Lindström"- und "Rosamunde Pilcher"-Folgen mit der Drehbuchautorin von "Utta Danella"-, "Sturm der Liebe"- und "Lilly Schönauer"-Folgen kollidiert, kann nichts anderes herauskommen als so ein Freitagsfilm uralter Degeto-Schule, der sich als dramaturgische Havarie erweist. Die Schiffbrüchigen: renommierte Schauspielerinnen und Schauspieler, die sich mühsam an die Planken der Handlung klammern.

Fachdienst medienTragischer Held

Mit dem Zug des Fernsehens zu zeitgeschichtlichen Stoffen kommen diese uns gelegentlich doppelt. So auch im Fall Fritz Bauer. Erst war Lars Kraumes Film "Der Staat gegen Fritz Bauer" im Kino, jetzt Stephan Wagner mit "Die Akte General" im Fernsehen. Beide Filme sind von Regisseuren der ersten Garde, der Protagonist ist beide Male prominent besetzt.

Fachdienst medienTraktat über das Gewissen

Ein Unfall, ein Unglück. Das Auto überschlägt sich mehrfach und stürzt von der Brücke, wir sehen das in Zeitlupe. So viel Zerstörung, so viel Schrecken. Danach das bekannte beruhigende Tableau mit der Polizei und den Krankenwagen und den vielen Leuten, die herumlaufen und helfen, ermitteln und in ihre Smartphones sprechen. Man weiß als Zuschauer: Was geschehen ist, wird hier vor Ort dokumentiert, und wer hier verletzt worden ist, dem wird beigestanden. Auch eine Notfallseelsorgerin ist eingetroffen.

Fachdienst medienUrkomische Dialoge

Von wegen "Nesthocker" und "Hotel Mama": In dieser als Komödie angelegten Trilogie ist die Welt, zumindest im Milieu der gut verdienenden Mittelschicht, noch in Ordnung: Die Kinder gehen aufs Gymnasium und gleich nach dem Abitur zum Studium oder einer anderen Ausbildung in die Welt hinaus. Zurück bleiben die Eltern, die ihr Leben neu organisieren müssen und plötzlich vor Problemen stehen: Was fangen wir jetzt an mit uns? Wie füllen wir die Zeit, die bleibt? Gibt es ohne Kinder für uns beide überhaupt noch ein Wir?

Fachdienst medienWahre Gratwanderung

"Haben Sie die Haare anders?" Da ist sie endlich, die Frage, die Beate Zschäpe zum Reden bringt. Es sprudelt geradezu aus ihr heraus. Frisch getönt sind sie, ja, das lässt sie aber nur von der Friseurmeisterin machen, das kostet bloß zehn Euro und bringt unheimlich viel. Sieht toll aus, oder? Ihr Gegenüber staunt: "Das ist ja günstig." Und beide lächeln verschwörerisch. Frau Zschäpe ist unheimlich stolz auf ihr schönes Haar. So viel ist klar.

Fachdienst medienWas passiert sein wird

Im 17. Jahrhundert wurden im fränkischen Bamberg ungefähr 1.000 Menschen ermordet - rund zehn Prozent der Bevölkerung. Es ging auf Hexenjagd! Obwohl die Neuzeit doch längst angebrochen war. Sabine Weigand hat unter dem Titel "Die Seelen im Feuer" ein Buch über eine Apothekerstochter geschrieben, das vor diesem Hintergrund spielt. Und das ZDF hat es - mit bekannten Fernsehfilmnamen sowohl vor als auch hinter der Kamera - auf den Bildschirm gebracht.

Fachdienst medienZum Lachen und zum Heulen

Weil die Patienten kommen und gehen, spielen in Krankenhausserien normalerweise Ärzte die Hauptrolle, allenfalls noch Schwestern und Pfleger.