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Wulff und Altmaier diskutieren Reformation des 21. Jahrhunderts

Multikulturalismus muss nach Auffassung von Altbundespräsident Christian Wulff das Ziel einer notwendigen Reformation des 21. Jahrhunderts sein. "Wir brauchen heute kein falsch verstandenes Gutmenschentum, aber auch nicht Rückzug und Angst, sondern Werte, feste Regeln des Zusammenlebens und Weltoffenheit", sagte der frühere CDU-Politiker am Mittwoch beim 23. Wittenberger Gespräch. Bei der Veranstaltung der Landesregierung Sachsen-Anhalt diskutierten neben Wulff Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU), der Bürgerrechtler und Theologe Friedrich Schorlemmer sowie Politikberater Erik Flügge die Frage: "500 Jahre Thesenanschlag: Stehen wir erneut vor einer Reformation?"

Der Altbundespräsident sagte, dass der Reformator Martin Luther (1483-1546) die Menschen im Mittelalter "emanzipiert und zum aufrechten Gang gebracht" habe. In unserer heute polarisierten Welt müsse diese Reformation ständig weiter vorangetrieben werden. Die Wahrung der Menschenwürde, die Unabhängigkeit des Rechtswesens und das Modell einer offenen liberalen Gesellschaft seien in Gefahr, sagte Wulff, der selbst Katholik ist. Die Gründe dafür sieht er im weltweiten Terrorismus, in der Globalisierung und der Spaltung der Gesellschaft in den digitalen Medien.

Der Chef des Bundeskanzleramts, Peter Altmaier, unterstrich die Chancen der heutigen Kommunikationsmittel. Martin Luther habe vor 500 Jahren gezeigt, dass es auch ohne Internet möglich war, die Welt von einem entlegenen Ort aus zu verändern. Das sei heute nicht anders, solange ein Mensch eine Vision habe, so der Christdemokrat. Mit klugen Gedanken könne man die sozialen Medien nutzen, um Gleichgesinnte zu finden.

Die Politik müsse lernen, die Möglichkeiten dieser partizipativen Kanäle selbst besser wahrzunehmen und allen Menschen eine gleiche Teilhabe daran wie auch an anderen Vorteilen der Globalisierung zu ermöglichen, sagte Altmaier. Das "Wittenberger Gespräch" in der Universitätsstiftung Leucorea ist eine Diskussionsreihe, zu der die Landesregierung seit 1993 jährlich in die Lutherstadt einlädt.