Der vatikanische Chefermittler in Fragen sexuellen Kindesmissbrauchs, Charles Scicluna, hat Gemeinden und Bischöfe weltweit zur Weitergabe von Informationen an die Strafverfolgungsbehörden aufgerufen. Bei einem Symposion über Missbrauch in der Kirche erinnerte er am Mittwoch in Rom an die "Pflicht, im Rahmen unserer Antwort auf Kindsmissbrauch mit den staatlichen Behörden zusammenzuarbeiten". Ungeachtet der unterschiedlichen Beziehungen zwischen Staat und Kirche in den einzelnen Ländern sei eine Kooperation im Rahmen der jeweiligen Kompetenzen unerlässlich.
Der Chef der in der vatikanischen Glaubenskongregation eingerichteten Ermittlungsbehörde warnte dabei zugleich vor einer "fehlgeleiteten Sorge um den guten Ruf der eigenen Institution, die auf Kosten der legitimen Anzeige von Verbrechen geht". In der Vergangenheit waren Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche mit dieser Begründung vielfach vertuscht worden. Eine Kultur des Verschweigens sei "falsch und ungerecht".
Vor dem Hintergrund der Verschärfung der kirchenrechtlichen Regeln im Umgang mit Missbrauch in den vergangenen Jahren drang Scicluna auf die Umsetzung bestehender Normen. "Ein klares Gesetz allein schafft nicht Frieden und Ordnung, unser Volk muss wissen, dass das Gesetz angewandt wird", sagte er im Hinblick auf Richtlinien zur Aufarbeitung und Vorbeugung sexueller Übergriffe auf Kinder und Jugendliche. Sicherheit von Kindern müsse in der Kirche Vorrang haben. Wenn das Kirchenrecht nicht der ehrlichen Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit diene, sondern im Dienst von Einzelinteressen missbraucht werde, schaffe es Misstrauen.
Scicluna äußerte sich im Rahmen des viertägigen Symposions "Auf dem Weg zu Heilung und Erneuerung" an der päpstlichen Gregoriana-Universität, an dem bis zum Donnerstag Vertreter aus rund hundert Ländern teilnehmen.
