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Umstrittener Kirchenkünstler Erich Klahn

Der Künstler Erich Klahn (1901-1978) wurde in Oldenburg geboren und wuchs in Lübeck auf. Bis 1921 studierte er an der Akademie der bildenden Künste in München, wo er Zeuge einer Rede Adolf Hitlers wurde und spontan der NSDAP beitrat. Nach seiner Rückkehr nach Lübeck arbeitete er mit dem völkisch-nationalistisch gesinnten Verleger Paul Brockhaus zusammen und engagierte sich in der "Niederdeutschen Bewegung". In seinen Werken griff er Themen aus der Religion, der griechisch-römischen Mythologie und der Märchenwelt auf. Er schuf auch Illustrationen zu dem Roman "Ulenspiegel" über den flämischen Freiheitskampf.

Von 1929 an arbeitete er mit einer Teppichwerkstatt in Celle zusammen, die mittelalterliche Teppiche aus dem Kloster Wienhausen restaurierte. Zudem entwarf Klahn eigene Kunstteppiche. Er schuf auch Altäre für Kirchen, unter anderem für die Taufkapelle der Stadtkirche in Celle, das Kloster Amelungsborn bei Holzminden und die St. Laurentiuskirche in Abbehausen bei Nordenham. Weitere Werke finden sich in Hildesheim, Osnabrück, Bad Eilsen, in und um Celle, in Zella-Mehlis in Thüringen sowie in Schleswig-Holstein.

1998 gründeten seine Erben die Klahn-Stiftung, um das Werk des Künstlers zu bewahren und zu erschließen. 2001 entstand im Kloster Mariensee ein Klahn-Museum. Dort waren bis 2014 Aquarelle, Ölgemälde, Altarwerke und Glasmalereien zu sehen, viele davon mit Motiven aus der Bibel. Die Klosterkammer Hannover, die das Kloster verwaltet, befindet sich zurzeit in einem Rechtsstreit mit der Klahn-Stiftung, weil der Künstler eine zu große Nähe zum Nationalsozialismus gehabt habe. Sie will die nicht länger mit der Stiftung zusammenarbeiten und die Werke zurückgeben.

Aus Sicht von Kritikern hat Klahn im völkischen Spektrum der 1920er und 1930er Jahre eine hervorgehobene Position gehabt. Befürworter des Künstlers wenden dagegen ein, Klahn habe als junger Mann noch nicht einmal Mitgliedsbeiträge an die NSDAP gezahlt. Aus seinen Briefen sei keine einzige antisemitische Äußerung belegt. Die Tatsache, dass ein 20-Jähriger vor fast hundert Jahren völkische Gedanken geäußert habe und möglicherweise vier Jahre der NSDAP angehört habe, könne kein Grund sein, seine späteren Werke zu verbannen.