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Theologieprofessor rät Kirchen zu Schärfung des geistlichen Profils

Der Münchner Theologieprofessor Friedrich Wilhelm Graf rät den evangelischen Kirchen, ihr geistliches Profil zu schärfen und sich weniger politisch zu äußern. "Das Geschäft, das die Kirchen zu betreiben haben, heißt Religion", sagte Graf am Mittwochabend bei einer Veranstaltung der evangelischen Hanns-Lilje-Stiftung in Hannover: "Sie sind keine politischen Akteure und sollten sich davor hüten, zu allem Stellungnahmen abzugeben."

Aus soziologischen Studien sei bekannt, dass die evangelischen Christen vor allem eine religiöse Begleitung wünschten. Viele junge Theologen an der Universität hätten jedoch an den zentralen Symbolen des Christentums kein wirkliches Interesse. Derzeit werde "für jeden Unsinn" eine theologische Begründung angeboten, kritisierte Graf. Auch im Gespräch der mit der katholischen Kirche sei das protestantische Profil kaum noch erkennbar.

Der frühere Direktor der Evangelischen Akademie Loccum, Fritz-Erich Anhelm, widersprach Graf. "Der Begriff des Kerngeschäftes ist keine geistliche Meisterleistung", sagte er. Das Wort entstamme dem Vokabular der Wirtschaft. Die Kirchen müssten sich nicht nur um das Heil, sondern auch um das Wohl der Menschen kümmern. Beides lasse sich nicht trennen. Anhelm ist Lehrbeauftragter für Religionssoziologie an der Universität Hannover.