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Theologieprofessor Graf sieht Zukunft der Kirchen skeptisch

Der evangelische Theologieprofessor Friedrich Wilhelm Graf sieht die Zukunft der Kirchen in Deutschland eher skeptisch. Das Gewicht der beiden großen Kirchen in gesellschaftlichen Debatten werde geringer, sagte Graf bei einem Symposium "Religion 2030" am Freitag in Erfurt. Er führte dies auf den Trend zurück, wonach Deutschland als Einwanderungsgesellschaft auch in seiner religiösen Zusammensetzung bunter werde.

Skeptisch wertete der in München lehrende Theologe auch die Entwicklung der Ökumene. Seit geraumer Zeit drifteten die beiden großen Kirchen auseinander. Als Beispiel führte Graf konfessionell unterschiedliche Entwicklungen bei den geistlichen Berufen an. In der evangelischen Kirche sei eine Feminisierung des Pfarrberufs zu beobachten, von der sich nicht sagen lasse, was dies bedeute. Wenn sich diese Entwicklung fortsetze, seien im Jahr 2030 zwischen 60 und 70 Prozent der evangelischen Pfarrer Frauen.

Hingegen bleibe der römisch-katholische Klerus eine Männerdomäne mit einem hohen Anteil junger Homosexueller. Zudem sei der Priestermangel ein großes Problem der katholischen Kirche, der Import von Klerikern aus anderen Ländern sei allerdings mancherorts in eine Katastrophe gemündet.

Der evangelische Theologe forderte beide Kirchen auf, die Spielregeln des Rechtsstaates zu respektieren. "Die Rechtsprechung ist zur Bühne für Religionskonflikte geworden, für die Kirchen noch keine Wahrnehmungssensibilität entwickelt haben", sagte Graf. Als Beispiele nannte er das kirchliche Arbeitsrecht, das EU-Antidiskriminierungsrecht, die Debatte über Staatsleistungen sowie Auseiandersetzungen vor bayerischen Verwaltungsgerichten über kommunale Verpflichtungen zum kirchlichen Bauunterhalt.