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Studie bescheinigt Kirche Rollenklischees bei Stellenbesetzungen

In der evangelischen Kirche versperren traditionelle Geschlechterklischees einer Studie zufolge Frauen oftmals den Weg in Führungspositionen. Frauen werde ein "spezifisch weibliches Leitungshandeln" zugeschrieben, heißt es in der am Dienstag in Bonn präsentierten Studie "Kirche in Vielfalt führen". Familiäre Betreuungspflichten würden häufig thematisiert und als Grund für die fehlende Bereitschaft zur Übernahme von Leitungsaufgaben herangezogen. Frauen müssten zudem eine besondere Fachkompetenz und ein "ausbalanciert selbstbewusstes" Auftreten aufweisen, "um überhaupt in den Bewerbungsprozess eintreten und bestehen zu können", heißt es weiter. An sie würden doppelte Standards angelegt.

Die auf der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Bonn präsentierte Untersuchung basiert auf einer qualitativen Befragung von Frauen und Männern in fünf Landeskirchen. Die Studie ist die Fortschreibung einer Untersuchung aus dem Jahr 2014, die ergab, dass Positionen in der mittleren Leitungsebene der Kirchen nur zu 21 Prozent von Frauen besetzt sind, obwohl sie ein Drittel der Pfarrstellen innehaben.

Die Leiterin des an der Studie beteiligten Fraunhofer Center for Responsible Research and Innovation, Martina Schraudner, erläuterte, Männern würden oft Attribute wie Selbstmarketing und Durchsetzungsstärke zugeschrieben, Frauen Empathie und Sozialkompetenz. Da allerdings vor allem Durchsetzungsvermögen für Leitungspositionen gefragt sei, hätten Frauen immer Probleme aufzusteigen.

Die Studie empfiehlt hier eine "gabenorientierte" Aufgabenteilung auf der Leitungsebene und eine stärkere Auseinandersetzung mit Klischees. Es sei schon hilfreich, fünf Minuten vor einem Bewerbungsgespräch über Geschlechterstereotype zu reden, um sich darüber bewusst zu werden und sie danach zu vermeiden. Zudem mahnt die Studie mehr Transparenz bei der Stellenbesetzung an, die nach den Ergebnissen der Studie oftmals als informell vereinbart empfunden wird.