Deutschlands Millionäre tragen einem Medienbericht zufolge überdurchschnittlich zur Finanzierung des kirchlichen Lebens bei. Die rund 7.600 Einkommensmillionäre unter den evangelischen und katholischen Gläubigen zahlten 8,5 Prozent der Gesamtlast der Kirchensteuer, obwohl ihr Anteil an den Kirchensteuerpflichtigen lediglich 0,06 Prozent betrage, berichtete die "Zeit"-Beilage "Christ & Welt" unter Berufung auf eine unveröffentlichte Erhebung des Statistischen Bundesamtes. Dagegen tragen die rund drei Millionen Geringverdiener mit einem Einkommen von bis zu 20.000 Euro den Angaben zufolge 2,5 Prozent zum Kirchensteueraufkommen bei.
Auch die Masse der Durchschnittsverdiener bleibe hinter der Finanzkraft der Wohlhabenden zurück, hieß es weiter. Die rund 3,7 Millionen Gläubigen mit Jahreseinkommen zwischen 25.000 und 40.000 Euro tragen lediglich 15 Prozent zum Kirchensteueraufkommen bei. Die rund 86.000 reichen Protestanten und Katholiken, die pro Jahr 250.000 Euro oder mehr verdienen, deckten dagegen 20 Prozent des Kirchensteueraufkommens ab.
In der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wachse die Kritik am bisherigen Umgang mit den wohlhabenden Mitgliedern, schreibt "Christ & Welt". Die Kirche habe "oftmals nur mit dem Finger auf Verantwortungsträger gezeigt", sagte EKD-Ratsmitglied Marlehn Thieme, die Direktorin der Deutschen Bank ist. Die Kirche müsse einsehen, dass es "Funktionseliten in dieser Gesellschaft" gibt. Es gelte, das Evangelium ihren Bedürfnissen entsprechend zu verkündigen.
Die Erhebung des Statistischen Bundesamtes basiert den Angaben zufolge auf Zahlen aus dem Jahr 2007, da keine jüngeren offiziellen Daten vorliegen. Die Aufstellung umfasse alle Kirchensteuereinnahmen in Deutschland mit Ausnahme von Bayern, da dort eigene Kirchensteuerämter die Veranlagung der Mitglieder übernehmen.
