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Spiegel-Kolumnist Fleischhauer: "Bodensatz der Verstörten nicht vergrößert"

Der "Spiegel"-Kolumnist Jan Fleischhauer hat zu mehr Gelassenheit angesichts von Nutzer-Kommentaren im Internet appelliert. "Die Idioten und die Blöden gab es immer, man sieht sie heute nur mehr", sagte Fleischhauer am Donnerstagabend in Schwäbisch Gmünd. "Neu ist, dass wir heute glauben, jeden ernst nehmen zu müssen", sagte der Journalist.

Er sehe nicht, "dass sich der Bodensatz der Verstörten vergrößert" habe. In der Vergangenheit hätten sich solche Menschen aus minderwertigen Quellen wie "Groschenheften" informiert. Heute würden sie aber durch soziale Netzwerke eine größere Aufmerksamkeit erlangen: "Die Abgehängten haben das Gefühl, dass sie nicht die Außenseiter, sondern die Meinungsführer sind", sagte der 53-jährige Autor des Hamburger Nachrichtenmagazins.

Fleischhauer wandte sich gegen die Auffassung in vielen Redaktionen, dass es mit dem Journalismus bergab gehe. "Der Journalismus steht heute besser da als vor 20 Jahren", sagte er zum Auftakt des Christlichen Medienkongresses. Ein Indiz dafür sei, dass die professionelle Distanz zwischen Journalisten und Politikern gewachsen sei: "Heute wird weniger geduzt."

Der Journalist bekräftigte seine Kritik an der Berichterstattung zur Flüchtlingskrise: "Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat sich zur Aufgabe gemacht, die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung medial zu flankieren", sagte Fleischhauer. Der Grund für das schleppende Einsetzen einer überregionalen Berichterstattung nach den Silvester-Übergriffen in Köln sei seiner Auffassung aber simpler als vielfach angenommen: "Auch Journalisten sind über die Feiertage gern zu Hause." Vom 4. Januar an, als die Redaktionen wieder voll besetzt waren, "konnte man sehen, dass das Mediengeschäft in Deutschland wieder funktioniert", sagte er.

Der Christliche Medienkongress wird gemeinsam von evangelischen Medien veranstaltet. Dazu gehören das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik und der Medienbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland, die württembergische Landeskirche sowie eine Reihe vor allem evangelikaler Organisationen.