Medien
Zeitungsverlage wollen digital wachsen
Verleger planen Angebote für Facebook, Twitter und WhatsApp
Berlin (epd). Die deutschen Zeitungsverlage setzen große Hoffnungen auf neue digitale journalistische Produkte. In einer am 1. Februar in Berlin vorgestellten Studie des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) gaben 71 Prozent der teilnehmenden Verlage an, ihre redaktionellen Angebote vor allem im Digitalen ausbauen und damit "signifikante Umsätze" erzielen zu wollen. Im Schnitt erwarten die Zeitungsmacher 10,9 Prozent Wachstum bei der Auflage von elektronischen Zeitungen, sogenannten E-Papers, sowie 7,4 Prozent Wachstum bei den Werbeerlösen im Internet.

Bei der klassischen gedruckten Auflage und damit auch bei den Werbeeinnahmen aus Print-Zeitungen stellen sie sich weiter auf einen Rückgang ein: Laut Studie rechnen die Zeitungsmacher mit einer um 2,6 Prozent schwindenden Auflage und rund 1,4 Prozent weniger Anzeigeneinnahmen bei gedruckten Zeitungen.

BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff zufolge legen die Verlage nach den Schwerpunkten Markenstärkung und Markenbindung im vergangenen Jahr jetzt ihren Fokus auf neue journalistische Angebote für soziale Medien wie Facebook, Twitter oder WhatsApp. Das führe auch zu veränderten redaktionellen Abläufen: Bereits 66 Prozent der Befragten haben demnach ihre Print- und Online-Redaktionen zusammengelegt, 21 Prozent planen dies in den nächsten Monaten umzusetzen.

Ein Trend dabei: Die Erstellung von journalistischen Inhalten über Videos, Clips und Live-Übertragungen, beispielsweise über Facebook, und die Interaktion mit den Nutzern über Likes und Kommentare. Vorbild für deutsche Zeitungsverleger ist die "New York Times", die aktuelle Events per Livestream auf ihrer Internetseite ausstrahle und dabei die Nutzer direkt einbinde.

Laut Wolff setzen die Verlage zudem auf Erkenntnisse aus "Big Data", also aus der Analyse von Verbraucherdaten durch Algorithmen. Damit könnten die Verlage gezielt Produkte für unterschiedliche Nutzergruppen erstellen, argumentierte Wolff. 13 Prozent der Verlage nutzen der Studie zufolge bereits Big-Data-Verfahren, 58 Prozent wollen in diesem Jahr oder den Folgejahren konkrete Initiativen starten. Zugleich müssten die Verlage dafür ihr digitales Know-how stärken: 70 Prozent gaben an, in diesem Jahr reine Digitalstellen etwa für Social-Media-Redakteure oder Datenexperten einrichten zu wollen.

Wolff kritisierte in diesem Zusammenhang die neue Datenschutz-Grundverordnung der EU. Sie mache sich zum "Steigbügelhalter" für US-Unternehmen wie Google und Facebook, die Nutzerdaten kombinieren und auswerten dürften. Die neue EU-Verordnung verpflichte dagegen europäische Unternehmen, bei der Zusammenfassung von Daten ausdrücklich die Einwilligung der Nutzer einzuholen, also nicht nur auf deren Widerspruch zu setzen. Dies sei für Zeitungsverlage jedoch häufig nicht praktikabel. Ihnen drohten dadurch Umsatzeinbußen.

An der Umfrage nahmen laut BDZV 90 Verleger und Geschäftsführer teil. Dies entspreche etwa einem Drittel der Branche.