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WDR hat erhebliche Bedenken gegen Arte-Doku über Antisemitismus
Köln (epd). Auch der WDR will die für Arte produzierte TV-Dokumentation über Antisemitismus in Europa zumindest vorerst nicht ausstrahlen. Es gebe "handwerkliche Bedenken" gegen den Film "Auserwählt und ausgegrenzt - Der Hass auf Juden in Europa", der nun zunächst geprüft werden solle, erklärte der Sender am 8. Juni in Köln. Zudem lägen die Ausstrahlungsrechte derzeit exklusiv bei Arte. Der deutsch-französische Kultursender hatte die Ausstrahlung abgelehnt, weil sich der realisierte Film auf den Nahen Osten konzentriere statt auf europäische Länder und damit nicht dem angemeldeten Programmvorschlag entspreche.

"Wir prüfen derzeit intensiv, ob die Dokumentation den journalistischen Standards und Programmgrundsätzen des WDR entspricht", erklärte der Sender. Der Film enthalte zahlreiche Ungenauigkeiten und Tatsachenbehauptungen, bei denen "wir die Beleglage zunächst nachvollziehen müssen". Heikle Zahlen würden ohne Quellenangabe angeführt und in mehreren Fällen hätten sich Betroffene nicht zu Vorwürfen äußern können.

Bei der Prüfung der Inhalte und der redaktionellen Abnahme des Films im WDR gehe ungeachtet der aktuellen öffentlichen Diskussion nun Sorgfalt vor Schnelligkeit, hieß es. "Selbstverständlich haben wir ein großes Interesse, die Dokumentation zu veröffentlichen, sofern die darin getroffenen Behauptungen und Informationen belegt und journalistisch sorgfältig geprüft sind."

Der Film von Joachim Schroeder und Sophie Hafner war von der Arte-Redaktion beim WDR abgenommen worden. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hatte sich in einem Schreiben an die Intendanten von Arte, WDR und ZDF verwundert geäußert, dass die Dokumentation nicht gesendet werden soll. Er bat die Sender, ihre Entscheidung zu überdenken.

Historiker wie Michael Wolffsohn und Götz Aly hatten die Dokumentation gelobt. Aly warf dem Arte-Programmdirektor in der "Berliner Zeitung" Zensur vor. Auch der Islamismus-Experte Ahmad Mansour hatte die Relevanz des Projekts hervorgehoben. Der arabische Israeli hatte die Autoren bei der Produktion beraten.