Kirche
Heinrich Bedford-Strohm
© epd-bild/Jürgen Blume
Warnungen vor Ausgrenzungen und Nationalismus
Frankfurt a.M. (epd). Spitzenrepräsentanten von Kirchen und Religionsgemeinschaften in Deutschland haben sich besorgt über den Einzug der AfD in den Bundestag geäußert. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, wertete das gute Abschneiden der Partei als "Weckruf für alle, denen das friedliche und solidarische Miteinander in einem weltoffenen Deutschland am Herzen liegt". Ausgrenzende und hasserfüllte Stimmen dürften "nicht das Leben in unserem Land vergiften", sagte Bedford-Strohm am 25. September in Hannover. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, warnte bereits am Wahlabend in einem Gottesdienst vor wachsendem Nationalismus.

Bei der Bundestagswahl erhielt die AfD 12,6 Prozent der Zweitstimmen und gewann drei Direktmandate. Im neuen Parlament wird sie mit 94 Abgeordneten drittstärkste Kraft sein.

Bedford-Strohm betonte, es bleibe abzuwarten, "ob eine zerrissene Partei wie die AfD es schafft, sich konstruktiv in den parlamentarischen Arbeitsprozess auf Bundesebene einzubringen und eine Trennlinie zu den radikalen Rechtsaußen-Kräften in der Partei einzuziehen". Kardinal Marx forderte am Abend des 24. September bei einem Gottesdienst im Münchner Liebfrauendom, "dass wir uns nicht von den neuen Versuchungen verführen lassen, die in Europa, auch in unserem Land, wieder beginnen: 'Unsere Nation zuerst! Wir zuerst!'" So habe jeder Krieg begonnen.

Am 25. September sagt Marx in Fulda: "Deutschland dreht sich nicht nur um eine Partei." Sechs politische Lager würden künftig im Bundestag miteinander streiten. Der Blick solle auf die Lösung von Problemen gerichtet werden, forderte der Münchner Erzbischof vor Beginn der Herbst-Vollversammlung der deutschen Bischöfe.

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, plädierte für harte, aber faire Auseinandersetzungen mit der AfD im künftigen Bundestag. Auch "als evangelische Kirche werden wir uns deutlich mit den Positionen der AfD auseinandersetzen", sagte Dröge dem Evangelischen Pressedienst (epd). Gleichzeitig kündigte er an, die Kirche werde intensiv das Gespräch mit denjenigen suchen, deren Ängste so groß seien, dass sie für die scheinbar so einfachen Lösungen der AfD auf komplexe Fragen ansprechbar seien.

Sachsens evangelischer Landesbischof Carsten Rentzing rief angesichts des starken Abschneidens der AfD im Freistaat alle Parteien zum Dialog auf. Im Sinne des Gemeinwohls erhoffe er Gesprächsbereitschaft aller Abgeordneten im Bundestag, sagte Rentzing dem epd. Damit verbinde er die Hoffnung, "dass sich die ausgleichenden und staatstragenden Kräfte in Parlament und Regierung zusammenfinden". In Sachsen war die AfD am Sonntag stärkste Kraft knapp vor der CDU geworden und hatte dort die drei Direktmandate gewonnen.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, forderte die Vertreter der etablierten Parteien im Bundestag auf, die AfD als inhaltsleer zu entlarven. Im Radiosender SWR2 relativierte er zugleich die Bedeutung des Wahlerfolgs der Partei. Mitunter habe er während des Wahlkampfs den Eindruck gehabt, dass es "eigentlich nur noch um die AfD" gehe. Knapp 87 Prozent der Wähler hätten für andere Parteien gestimmt.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, gab den etablierten Parteien eine Mitschuld am starken Abschneiden der AfD. Manches, "was im Wahlkampf von den demokratischen Parteien zu hören war - wenn auch geschickter und versteckter - war AfD-Rhetorik und damit der Kotau vor diesen Ideologen", schrieb Mazyek in einem Gastbeitrag auf "tagesspiegel.de".