Entwicklung
Sonntagsmesse in der Kapelle Nuestra Senora De La Paz bei Quezon City.
© epd-bild / Friedrich Stark
Von Gerechtigkeit weit entfernt: Weltgebetstag blickt auf Philippinen
Manila, Frankfurt am Main (epd). Im Stadtbild von Hongkong ist es ein vertrauter Anblick: Sonntags treffen sich Scharen philippinischer Hausmädchen in den Parks, um sich die Sorgen von der Seele zu reden. Und um sich über die Heimat auszutauschen. Sie haben ihr Land verlassen, weil sie mit dem Job in der südchinesischen Metropole den Familien daheim ein besseres Leben ermöglichen wollen. Am Weltgebetstag der Frauen am 3. März steht in diesem Jahr ihr Schicksal und ihr Heimatland im Mittelpunkt.

Mehr als zehn Millionen Philippiner - über zehn Prozent der Bevölkerung - verdingen sich als Arbeitsmigranten fernab der Heimat. In den USA, dem Mittleren Osten, Europa, Hongkong, Singapur und Malaysia schuften philippinische Frauen als Hausangestellte, Kindermädchen oder Pflegekräfte, während viele Männer als Seeleute oder auf Baustellen arbeiten.

Armut und Perspektivlosigkeit zwingen sie dazu. Auf den Philippinen selbst bleibt vielen Armen nur die Landflucht. Haben sie einen Job ergattert, ist dieser aber insbesondere für Frauen so schlecht bezahlt, dass der Lohn bei weitem nicht ausreicht, um eine Familie zu ernähren. Von einer gerechten Verteilung wirtschaftlicher Güter ist das Land Lichtjahre entfernt. Daher widmet sich der diesjährige Weltgebetstag den Philippinen unter der Fragestellung "Was ist denn fair?".

Die tiefe Kluft zwischen Arm und Reich hat System: Ein paar Dutzend Familienclans besitzen den Löwenanteil des Vermögens und sind die hauptsächlichen Nutznießer des wirtschaftlichen Aufschwungs. Obwohl das Land in den Amtsjahren von Präsident Benigno Aquino zwischen 2010 und 2016 im Schnitt Wachstumsraten von über sechs Prozent verzeichnete, leben mehr als ein Viertel der über 100 Millionen Philippiner weiterhin unter der Armutsgrenze.

In Zeiten der Globalisierung verlassen immer mehr Philippiner ihre Heimat, darunter zunehmend Frauen. Sie machen nach jüngsten Statistiken bereits mehr als die Hälfte der Arbeitsmigranten aus. Bürger- und Menschenrechtsorganisationen berichteten, dass die Gesamtzahl von etwa 2.500 Auswanderern pro Tag im Jahr 2009 auf mittlerweile über 6.000 hochgeschnellt sei. Das Geld, das sie im Ausland verdienen, schicken sie nach Hause: Nach Schätzungen unter anderem der Weltbank erreichten diese Überweisungen zuletzt fast die 30-Milliarden-Dollar-Marke.

Doch die Schattenseiten dieser "Exportindustrie" von Arbeitskräften sind bedrückend: Insbesondere die Arbeitsmigrantinnen sind oft massiver Ausbeutung, physischer Gewalt und sexueller Verfolgung ausgesetzt. Wiederholt wurde über Fälle berichtet, in denen philippinische Frauen umgebracht wurden, Selbstmord verübten oder spurlos verschwanden.

Zurück bleiben zerstörte und ohnehin zerrissene Familien. Während Mütter, Väter oder gar beide Elternteile im Ausland schuften, wachsen Millionen Kinder bei Großeltern oder anderen Verwandten auf. Scheidungen sind im katholisch dominierten Inselreich offiziell verboten, allerdings hätten in den vergangenen Jahren Trennungen zugenommen, zitierte die "Manila Times" die katholische Unterstützergruppe für Migranten ECMI.

Die Betroffenen selbst fühlen sich seit langem im Stich gelassen. Wechselnde Regierungen hätten sich nicht um ihre Not geschert, kritisieren sie. Es sei Manila immer nur um die Milliarden gegangen, die sie überwiesen und mit denen sie das Bruttoinlandsprodukt ankurbelten.

Der neue Präsident Rodrigo Duterte hat angekündigt, das zu ändern. Niemand müsse mehr zwangsweise zum Arbeiten ins Ausland gehen, erklärte er. Ob der seit Mitte vergangenen Jahres amtierende Staatschef, der hauptsächlich durch seinen blutigen "Anti-Drogen-Krieg" von sich reden macht, sein Versprechen einhält, wird sich zeigen. Arbeitsrechtler rechneten vor, dass die Regierung dafür in den nächsten sechs Jahren zehn Millionen nachhaltige Jobs schaffen müsste. Sie müsste eine Landreform durchsetzen und sämtliche Praktiken stoppen, unter denen die Arbeitsmigranten "wie bloße Melkkühe" behandelt werden.

Von Nicola Glass (epd)