Kirche
Kardinal Rainer Maria Woelki erteilt die Kommunion beim Gottesdienst im Dom zu Münster zu Beginn der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz.
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Theologe: Vatikan wird die Öffnung bei der Kommunion nicht aufhalten
Bochum (epd). Der katholische Theologe Thomas Söding geht davon aus, dass der Vatikan sich der geplanten Öffnung der Kommunion für Protestanten in Deutschland nicht in den Weg stellen wird. "Die Handreichung liegt ganz auf der Linie von Papst Franziskus. Im Übrigen wird es wohl dauern, bis es eine offizielle Antwort aus Rom gibt. Die Handreichung der deutschen Bischöfe wird bis dahin längst in Kraft sein", sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). Thomas Söding ist Professor für Neues Testament an der Ruhr-Universität Bochum und Berater der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz.

Zuvor war bekannt geworden, dass sich sieben Bischöfe unter Führung des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki mit einem Brief an den Vatikan gewandt hatten, in dem sie die Rechtmäßigkeit des Zugangs von protestantischen Ehepartnern zur Kommunion anzweifeln. Ende Februar hatte die katholische deutsche Bischofskonferenz beschlossen, eine pastorale Handreichung für das Abendmahl von Ehepaaren unterschiedlicher Konfession auf den Weg zu bringen.

Der frühere Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, habe zwar auch Bedenken gegen die gemeinsame Kommunion von Ehepaaren unterschiedlicher Konfession in katholischen Messen angemeldet, sagte Söding. Aber der Papst habe klare Zeichen gesetzt, und die Bischofskonferenz braucht seiner Überzeugung nach nicht die Erlaubnis Roms, um diese Entscheidung zu treffen. "Die Bischöfe sind für die Pastoral vor Ort jeweils selbst verantwortlich, das geht aus dem Kirchlichen Gesetzbuch hervor und wird in verschiedenen Enzykliken unterstrichen", sagte der Bochumer Theologe.

Die katholischen deutschen Bischöfe hatten sich im Februar auf ihrer Frühjahrsvollversammlung in Ingolstadt darauf verständigt, in Einzelfällen die Teilnahme an der katholischen Eucharistie auch von Protestanten möglich zu machen, die in einer konfessionsverbindenden Ehe leben. "Hier ist ein Weg gefunden für Einzelfälle", sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Eine pastorale Handreichung solle in den folgenden Wochen fertiggestellt werden. Dann werde das Papier, das eine große Mehrheit der Bischöfe befürwortet habe, öffentlich vorgestellt.

"Für eine dogmatische Entscheidung hätte es der Einstimmigkeit bedurft, aber es war immer klar, dass es hier um eine pastorale Handreichung gehen würde", erklärte Söding. Für solche pastoralen Entscheidungen brauche es Zwei-Drittel-Mehrheiten. Diese hatte das Vorhaben bei der Abstimmung unter den Bischöfen klar erreicht.

Aus einem weiteren Grund geht Söding nicht davon aus, dass Glaubenskongregation und Päpstlicher Einheitsrat im Vatikan - die beiden Adressaten des Briefes - die Entwicklung aufhalten werden. "Es gibt Bischofskonferenzen wie beispielsweise in Großbritannien und in Kanada, die protestantische Ehepartner unter bestimmten Umständen bereits zur Kommunion zulassen, und auch aus Österreich und Frankreich ist diese Handhabung bekannt", so der Theologe. Hinter dem Widerstand der sieben deutschen Bischöfe vermutet er grundsätzliche Vorbehalte. So schlecht ist ihr Vorstoß seiner Meinung nach nicht: "Papst Franziskus hat jetzt eine Chance, klarzustellen, was er will."

Neben Kardinal Woelki hatten auch die Bischöfe Ludwig Schick (Bamberg), Konrad Zdarsa (Augsburg), Gregor Maria Hanke (Eichstätt), Wolfgang Ipolt (Görlitz), Rudolf Voderholzer (Regensburg) und Stefan Oster (Passau) den Brief unterzeichnet.

epd-Gespräch: Julia Lauer