Soziales
Teilnehmer des Pilotprojekts Artemis im Städel Museum
© epd-bild / Thomas Rohnke
Studie: Kunst hilft gegen Demenz
Frankfurt a.M. (epd). Die Auseinandersetzung mit Kunst fördert das Wohlbefinden von Menschen mit Demenz deutlich. Das hat eine Studie des Städel-Kunstmuseums und der Universität Frankfurt am Main ergeben. Sowohl Demenzkranke als auch ihre Angehörigen hätten nach der Teilnahme an dem Kunstprojekt Artemis eine Erhöhung ihrer Lebensqualität angegeben, teilte das Städel-Museum am 22. Mai mit. Das Museum wolle nach dem Erfolg des Projekts nun die Kunstvermittlung für diese Zielgruppe dauerhaft anbieten.

Das spezielle Angebot des Städel-Museums sieht einstündige thematische Kunstführungen durch eigens geschulte Kunstvermittler vor. Dabei geht es nach Angaben des Museums in erster Linie um den Austausch von Assoziationen und Emotionen der Teilnehmer. Entsprechend lauten die Themen "Das menschliche Gesicht", "Die Farbe blau" oder "Frankfurt am Main". Anschließend arbeiten die Gruppen im Atelier kreativ mit unterschiedlichen Materialien wie Acrylfarben, Ölkreiden oder Ton.

Demenzkranke seien oft noch lange über Bilder und Musik ansprechbar, erläuterte der Leiter der Altersmedizin der Goethe-Universität, Johannes Pantel. Durch die Kunstvermittlung könne "kommunikatives Potenzial" freigesetzt werden. Im Rahmen der nach Pantels Angaben weltweit ersten wissenschaftlichen Studie ihrer Art nahmen an Artemis (Art Encounters: a Museum Intervention Study) zwischen 2014 und 2016 insgesamt 96 Teilnehmer an 78 Kunstführungen teil. Die Untersuchung sollte herausfinden, welchen Beitrag Museumsbesuche und die Beschäftigung mit Kunst leisten können, um das Wohlbefinden und das Kommunikationsverhalten von Menschen mit Demenz zu steigern und die Beziehung zu ihren betreuenden Angehörigen zu verbessern. Die Wissenschaftler wandten psychologische Tests, Fragebögen, Interviews und Videografie an.

Die stärksten positiven Effekte bei Demenzkranken zeigten sich nach Angaben des Museums bei biografisch angelegten Zugängen, etwa bei den Themen "Familie und Kinder" oder "Frankfurt am Main". Ebenso stark positiv wirkte demnach Kreativarbeit, die mehrere Sinnesebenen anspricht, wie Malen zu Musik. Die Angehörigen beobachteten, dass bei der künstlerischen Arbeit die Demenzkranken mehr Ruhe ausstrahlten als sonst und entspannter wirkten. Die betreuenden Angehörigen selbst äußerten ein stärkeres Wohlbefinden insbesondere durch das Entdecken eigener kreativer Potenziale, die sie emotional entlasteten. Dies gelang hervorragend etwa beim Erstellen blauer Experimentalbilder oder beim Porträtmodellieren mit Ton.