Kirche
Papst Franziskus zwischen Bundespräsident Steinmeier und dessen Frau Elke Büdenbender
© epd-bild / Romano Siciliani
Rückenwind für Flüchtlingspolitik, Drängen auf Ökumene
Bundespräsident Steinmeier trifft Papst Franziskus im Vatikan
Rom (epd). Begegnungen mit Ministern und Regierungschefs aus aller Welt sind für den früheren Außenminister Frank-Walter Steinmeier nichts Ungewohntes. In der Reihe seiner kaum zählbaren Treffen fehlte bis zum 9. Oktober ein Besuch beim Papst. Als Bundespräsident gelang das nun auch: Rund eine Stunde - ungewöhnlich lang - nahm sich Franziskus in der Privatbibliothek im Apostolischen Palast Zeit für den Austausch über Flucht, Migration und das Wahlergebnis in Deutschland. Der Protestant Steinmeier äußerte sich danach "wirklich beeindruckt" von der Person und den Positionen des Papstes. Und er überbrachte im Gespräch ein persönliches Anliegen für seine Kirche: den Wunsch nach mehr Ökumene.

Steinmeier berichtete danach, Franziskus sei gut informiert gewesen über das Ergebnis der Bundestagswahl mit dem guten Abschneiden der AfD. Der Papst habe seinen Respekt für die Flüchtlingsaufnahme in Deutschland bekundet und die Hoffnung geäußert, "dass Deutschland sich nicht abwendet von einem Problem, das uns begleiten wird", sagte der Bundespräsident. Nach seinen Worten ging es im Gespräch auch um das UN-Klimaschutzabkommen, das Franziskus unterstützt, und die Rolle der Religionen in internationalen Konflikten.

Frieden und Flucht waren auch die Hauptthemen des anschließenden Besuchs Steinmeiers bei der Gemeinschaft Sant'Egidio in Rom, die sich vermittelnder Arbeit in Konflikten verschrieben hat. Steinmeier würdigte deren Engagement in der Flüchtlingspolitik. Gleichzeitig forderte er die Kirchen dazu auf, sich an der Friedensarbeit der Gemeinschaft ein Beispiel zu nehmen. Gerade in Zeiten, in denen Religion als Begründung für Auseinandersetzungen, Feindseligkeit und Gewalttaten herangezogen und missbraucht werde, seien Religionsgemeinschaften in ihrer Friedensverantwortung besonders gefordert. Religiös getragene Organisationen könnten dazu beitragen, ein gesamtgesellschaftliches Gespräch zu ermöglichen, auch bei Fragen, "die polarisieren und das Potenzial haben, Gesellschaften zu spalten", sagte er.

Der Protestant Steinmeier, der mit Amtsantritt im Schloss Bellevue in Berlin im März seinen Sitz im Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentags aufgab, nutzte das Gespräch mit Franziskus auch für ein Dringen auf weitere Schritte in der Ökumene. Er habe seine persönliche Auffassung bekundet, "dass das Potenzial für Ökumene nicht ausgeschöpft ist", sagte das deutsche Staatsoberhaupt. Er hoffe auf weitere Schritte mit der Hilfe des Papstes.

Nach seinem Eindruck sei Franziskus bei dem Thema aufgeschlossen, ergänzte das Staatsoberhaupt. In einer nach dem Gespräch veröffentlichten Mitteilung des Vatikan hieß es, beide Seiten hätten Anerkennung für die ökumenischen Bemühungen insbesondere anlässlich des 500. Reformationsjubiläums ausgedrückt. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hatte die Feierlichkeiten zum 500. Jahrestag der Thesenveröffentlichung Martin Luthers, dessen Anstoß für weitgehende Reformen die Spaltung in evangelische und katholische Kirche zur Folge hatte, bewusst ökumenisch ausgerichtet. Erhoffte konkrete Fortschritte etwa auf dem Weg zu einem gemeinsamen Abendmahl gibt es aber bislang nicht.

Für dem Montagnachmittag hatte Steinmeier außerdem noch einen Besuch der Vatikanischen Museen mit der Sixtinischen Kapelle geplant. Der Bundespräsident war bereits am Sonntag nach Rom gereist und hatte am Abend in der evangelischen Christuskirche einen Vortrag zum Reformationsjubiläum gehalten. Dort ging er auf die Lehren der Reformation für Europa ein und schlug vor, das Modell der "versöhnten Verschiedenheit", mit der die Kirchen ihre ökumenischen Bemühungen beschreiben, zum Vorbild für Einheit in Europa zu machen. Begleitet wurde Steinmeier bei der Reise von seiner Frau Elke Büdenbender.

Von Corinna Buschow (epd)