Entwicklung
Manasseh und Sofie Wachira von der Kooperative Mitooini bei der Arbeit zwischen ihren Bananenstauden am Mount Kenya.
© epd-bild / Natalia Matter
Mit Sprinklern der Dürre trotzen
Nairobi (epd). Der Weg schlängelt sich durch grüne Felder und rotbraune Erde. Die Gegend am Mount Kenya wirkt malerisch und fruchtbar. Doch der Schein trügt. Die Felder der Bauern der Kooperative Mitooini sind eine Ausnahme in Kenia, das immer mehr mit Trockenheit zu kämpfen hat. "Dürre ist unsere neue Normalität", sagt die Klima-Direktorin im kenianischen Umweltministerium, Pacifica Ogola. "Wir müssen jetzt immer damit planen."

Denn laut UN-Berechnungen erleidet das ostafrikanische Land wegen des Klimawandels alle sieben Jahre Überschwemmungen und alle fünf Jahre eine Dürre. Mit fatalen Folgen. Vor allem im Norden Kenias verloren die Menschen bei der jüngsten Dürre im Frühjahr und Sommer einen Großteil ihres Viehs und ihrer Ernte. Mehr als 2,5 Millionen Kenianer waren vom Hungertod bedroht.

Politik und Bevölkerung müssen sich an die Folgen des Klimawandels anpassen. Wie arme Länder wie Kenia dabei unterstützt werden können, ist auch Thema des derzeitigen UN-Klimagipfels in Bonn. Zwar leben drei Viertel der etwa 48 Millionen Kenianer von der Landwirtschaft. Aber nur drei Prozent der landwirtschaftlichen Fläche wird bewässert und ist somit unabhängig vom Regen, der immer unregelmäßiger fällt. Zu diesen drei Prozent gehört der Hof von Manasseh und Sofie Wachira von der Kooperative Mitooini.

Seit 2013 haben die Wachiras zwei Sprinkler für ihre rund 4.000 Quadratmeter Anbaufläche. "Wir haben mit wenigen Bananenpflanzen angefangen, jetzt haben wir etwa 100 Bäume", sagt Manasseh Wachira und zeigt auf die regelmäßigen Reihen gut gedeihender Stauden, die wirken, als stünde man in einem Wald. "Bananen bringen viel ein und machen vergleichsweise wenig Arbeit." Rund 10.000 kenianische Schilling pro Monat, etwa 83 Euro, verdient das Ehepaar damit. Davor bauten sie Mais und Bohnen an. "Die gediehen aber nicht."

Neben den Wachiras gehören der Kooperative etwa 500 Bauern im Bezirk Kirinyaga in Zentralkenia an, die mit Hilfe der deutschen KfW-Bankengruppe eine Bewässerungsanlage für ihre Höfe organisiert haben. Das Wasser stammt aus dem Fluss Thiba, vier Kilometer vom nächstgelegenen Acker entfernt. Die Kosten von insgesamt 67 Millionen kenianischen Schilling (rund 550.000 Euro) für die Anlage, die nur über Schwerkraft funktioniert und deshalb besonders wartungsarm und robust ist, teilen sich KfW und Bauern. Bis 2018 wollen die Bauern von Mitooini ihre Hälfte zurückzahlen. Einige, darunter die Wachiras, sind bereits schuldenfrei.

Bislang hat die KfW auf diese Weise seit 2005 etwa 6.000 Bauern in der Region am Mount Kenya unterstützt. "Die Ausfallrate ist sehr gering", erläutert Projektleiterin Lina Dunnzlaff. Wegen der hohen Eigenbeteiligung machten nur Landwirte mit, die das wirklich wollten. "Aber die Landwirtschaft ist nicht profitabel, wenn sie vom Regen abhängt."

Mit dem Projekt solle die Landwirtschaft auch für junge Menschen attraktiv werden, erläutert Dunnzlaff. "Ansonsten ziehen sie in die Städte", wo es für sie teilweise noch schwieriger sei. Mehr als ein Fünftel der jungen Frauen und Männer sind in Kenia arbeitslos. Und über 40 Prozent der Kenianer sind jünger als 15 Jahre, so dass sich das Problem voraussichtlich noch deutlich verschärfen wird.

Auch Sofia Wambui, Schatzmeisterin der Kooperative Mitooini, hofft, dass eines ihrer zwei Kinder den Hof übernimmt. Sie könne ihnen dank der Bewässerung eine bessere Schulbildung ermöglichen. "Früher waren die meisten von uns auf anderen Farmen angestellt, jetzt bewirtschaften wir unser eigenes Land." Zwar sei das Geld noch immer sehr knapp, weil sie den Kredit abbezahlen müsse. "Aber wir haben jetzt drei bis vier Ernten pro Jahr statt zwei, und auch die Streitigkeiten um Wasser mit den Nachbarn haben aufgehört."

"Bewässerung allein ist allerdings kein Wundermittel", sagt Tim Christophersen, Wasserkoordinator des UN-Umweltprogramms. "Die Gefahr besteht, dass zu viel Wasser verbraucht wird und die Flüsse und Seen austrocknen." Man müsse immer die Kapazitäten des jeweiligen Ökosystems bedenken.

Aus diesem Grund kann auch nur eine begrenzte Zahl von Bauern am Bewässerungsprojekt am Mount Kenya teilnehmen. "Der Thiba hat immer Wasser", erläutert Morris Makau vom Wasserministerium. "Aber wir kontrollieren die Verteilung des Wassers, damit er nicht austrocknet. Die Bauern dürfen auch keine großen Tanks füllen, weil das Bewässerungssystem nicht mehr funktioniert, wenn der Druck abfällt."

Damit Flüsse wie der Thiba nicht austrocknen, will Kenia seine natürlichen Wasserspeicher aufforsten, so auch die Gegend um den Mount Kenya. Insgesamt soll die Waldfläche von 6,8 Prozent auf zehn Prozent steigen. Das schützt nicht nur die Wasserquellen, sondern hilft auch, die klimaschädlichen CO2-Emissionen zu reduzieren.

Von Natalia Matter (epd)