Medien
Männer dominieren Fernsehen und Kino
Berlin (epd). Frauen sind im deutschen Film und Fernsehen einer neuen Untersuchung zufolge deutlich unterrepräsentiert. Laut der am Mittwoch in Berlin vorgestellten Studie "Audiovisuelle Diversität?" der Universität Rostock kommt über alle Fernsehprogramme hinweg nur eine weibliche Darstellerin auf zwei männliche Darsteller. Dennoch halten führende Branchenvertreter wenig von einer Frauenquote in den verschiedenen Programmbereichen oder für Führungsebenen.

Die repräsentative Studie gilt den Angaben zufolge als bislang umfassendste Untersuchung dieser Art in Deutschland. Für die Analyse seien 2016 mehr als 3.000 Stunden TV-Programm und über 800 deutschsprachige Kinofilme der vergangenen sechs Jahre ausgewertet worden. Untersucht wurden alle Formate wie Filme, Kinderfernsehen und Unterhaltung sowie Informationsprogramme wie Nachrichten und Talk-Shows.

Im deutschen Fernsehen seien über alle Sendungen hinweg 67 Prozent der Hauptakteure Männer. Wenn Frauen gezeigt werden, dann kämen sie häufiger im Kontext von Beziehung und Partnerschaft vor, betonte die Rostocker Medienforscherin Elizabeth Prommer.

Weiter stellten die Forscher eine Alterslücke fest: So würden vor allem junge Frauen in Film und Fernsehen dargestellt. Ab Mitte 30 kämen auf eine Frau zwei Männer, ab 50 Jahren sogar drei Männer.

Auch bei den Moderatoren, Sprechern, Experten und andern Akteuren würden Männer auf den Bildschirmen dominieren, betonten die Forscher weiter. In der Publizistik stünden 79 Prozent männliche Experten nur 21 Prozent Expertinnen gegenüber. Im non-fiktionalen Bereich liege das Verhältnis bei 69 zu 31 Prozent. In der Publizistik gebe es zudem 72 Prozent Sprecher und nur 28 Prozent Sprecherinnen, in der non-fiktionalen Unterhaltung seien es sogar 96 Prozent Männer.

Als besonders problematisch schätzen die Forscher das Kinderfernsehen ein, wo das Ungleichgewicht noch größer sei: Auf eine weibliche Figur kämen drei männliche. Imaginäre Figuren seien fast ausschließlich durch Jungen und Männer besetzt. Auf eine weibliche Tierfigur kämen neun männliche. Medienmacher und Forscher warnten vor einer Verfestigung von Stereotypen in der nachfolgenden Generation.

Angestoßen hatte die Studie die Schauspielerin Maria Furtwängler: "Es ist wichtig zu verstehen, welches Geschlechterbild mit der enormen Wirkungsmacht des Fernsehens und Kinos transportiert wird", sagte Furtwängler. Sie verwies darauf, dass man bislang fehlende Diversität nur gefühlt habe, "jetzt haben wir Fakten".

ZDF-Intendant Thomas Bellut sagte, die Ergebnisse der Studie hätten teilweise "überrascht und geschockt". Der Zustand sei unbefriedigend. Die Geschlechtergerechtigkeit "ist eine Selbstverpflichtung, die wir uns auferlegt haben", sagte Bellut.

Eine Frauenquote nannte die ARD-Vorsitzende Karola Wille ein "allerletztes Mittel", sie sei "eine Krücke" für mehr Geschlechtergerechtigkeit. Ähnlich äußerte sich auch die Geschäftsführerin der Film- und Medienstiftung Nordrhein-Westfalen, Petra Müller: "Alle schrecken im Moment vor einer Quote zurück."

Zwar sei im Moment zu dem Thema vieles in Bewegung, das Bewusstsein ändere sich. Aber gerade in der Kinobranche, wo mittlerweile fast die Hälfte aller Regie-Absolventen weiblich seien, kämen im Beruf tatsächlich nur sehr wenige Regisseurinnen an. Müller sagte, wenn sich in den nächsten zwei Jahren nichts ändere, werde die Forderung der Frauenquote wieder laut.