Kirche
Bischof Ulrich im Auguste-Viktoria-Krankenhaus mit einer Palaestinenserin, deren Tochter dort eine Dialyse erhält.
© epd-bild / Debbie Hill
Lutheraner-Delegation in Jerusalem: Appell für Versöhnung
Jerusalem/Frankfurt a.M. (epd). In Israel hat eine deutsche Delegation des Lutherischen Weltbundes (LWB) zu mehr Anstrengungen im Friedensprozess aufgerufen. Nordkirchen-Bischof Gerhard Ulrich appellierte an alle Seiten: "Fangt an aufzuhören! Fangt an, mit der Gewalt aufzuhören. Das ist der erste Schritt zu Verständigung und Versöhnung", sagte Ulrich am 26. November zum Abschluss einer fünftägigen ökumenischen Begegnungsreise in Jerusalem dem Evangelischen Pressedienst (epd). Ulrich leitet das Deutsche Nationalkomitee des LWB.

"In den besetzten palästinensischen Gebieten haben wir direkt erfahren, in welch katastrophalen Zuständen die Menschen leben", fügte Ulrich hinzu: "Die Seele der Menschen leidet unter der Besatzung im eigenen Land." Gerade "für uns Deutsche ist klar, dass Mauern niemals Frieden und Verständigung schaffen".

Der Schweriner Landesbischof warnte zugleich vor vorschnellen Urteilen: "Wir haben auch erfahren, dass es nicht nur eine Wahrheit gibt, sondern immer mindestens zwei Sichtweisen und Geschichten. Das lehrt uns, demütiger mit unserer eigenen Wahrnehmung umzugehen." Aber solange der Hass regiere, "kann man nicht ausschließen, dass es Gewalt gibt".

In Jerusalem war die Delegation mit Bischof Munib Younan zusammengetroffen. Younan ist Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land, mit rund 3.000 Mitgliedern die einzige Mitgliedskirche des LWB in der Region. Thema war die Situation der Christen im Heiligen Land.

Ulrich äußerte sich dankbar für die Schularbeit der lutherischen Kirche im Land. Dort würden auch muslimische Kinder und Jugendliche zu Respekt, Toleranz und Dialogbereitschaft erzogen. "Sie sind die zukünftigen Friedensbotschafter und Brückenbauer", sagte Ulrich, der auch Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands ist.

Ulrich würdigte auch das seit 1950 vom LWB betriebene Auguste-Viktoria-Krankenhaus auf dem Ölberg, das einen konkreten Beitrag zur Versöhnung leiste. Die Klinik biete als einzige spezialisierte Behandlungen für Menschen aus Gaza und dem Westjordanland an. Der 1910 errichtete Gebäudekomplex mit der Himmelfahrtkirche ist nach der letzten deutschen Kaiserin Auguste Victoria, der Frau von Kaiser Wilhelm II., benannt.

Der Lutherische Weltbund repräsentiert über 74 Millionen Gläubige in 145 Mitgliedskirchen aus 98 Ländern. Das Deutsche Nationalkomitee vertritt die elf deutschen LWB-Mitgliedskirchen und vertritt damit rund zwölf Millionen Gemeindeglieder.

epd-Gespräch: Stephan Cezanne