Kirche
Papst Franziskus und Bundeskanzlerin Merkel (CDU) im Vatikan
© epd-bild / Siciliani / Stefano Dal Pozzolo/Vatical Pool
Klimaschutz, Kooperation und Kekse: Papst empfängt Merkel
Kanzlerin und Papst Franziskus betonen Bedeutung internationaler Zusammenarbeit
Rom (epd). Herzlich, intensiv und am Ende süß: Zum vierten Mal empfing Papst Franziskus am 17. Juni Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einer Privataudienz. Rund 40 Minuten nahm sich das Oberhaupt der katholischen Kirche Zeit für das Gespräch in seiner Privatbibliothek im Vatikan. Das ist ungewöhnlich lange und der Papst trifft Merkel auch ungewöhnlich oft.

Die CDU-Chefin, deren Wahlkampf gerade beginnt, gilt als die am häufigsten von Franziskus empfangene Regierungschefin. Die lächelnden Gesichter der beiden ließen am Samstag auf ein vertrautes, freundliches Verhältnis schließen. Im Gespräch selbst ging es um ernste Herausforderungen rund um den anstehenden G20-Gipfel.

Merkel, in drei Wochen Gastgeberin des diesjährigen Treffens der mächtigsten Industrieländer, unterstrich nach dem Gespräch mit dem Papst die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit und wandte sich gegen Abschottung. Ihre G20-Agenda gehe von einer Welt aus, in der man multilateral zusammenarbeiten wolle, "eine Welt, in der wir keine Mauern aufbauen wollen, sondern Mauern einreißen wollen", sagte Merkel.

Sie kündigte dem Papst an, vor dem Hintergrund des Wunsches, alle Menschen an Wohlstand und Würde teilhaben zu lassen, beim Gipfel über die Weltwirtschaft zu diskutieren. Ein Schwerpunkt soll Afrika sein, was beim Papst nach Merkels Worten besonderen Gefallen fand. Zudem unterstrich sie, sich weiter für internationale Abkommen, insbesondere für das Pariser Klimaabkommen einsetzen zu wollen, das US-Präsident Donald Trump für sein Land aufkündigen will. Das Gespräch mit Franziskus nannte sie "ermutigend".

Franziskus drückte der Kanzlerin nach deren Schilderung zu Beginn des Gesprächs seine Anteilnahme an der Trauer um Helmut Kohl (CDU) aus. Die Nachricht vom Tod des Altkanzlers und ihres langjährigen Förderers, der am Freitag im Alter von 87 Jahren gestorben war, überraschte die Kanzlerin am Freitag direkt nach ihrer Ankunft in Rom.

Aufgrund der Umstände nahm sie am Abend nicht wie geplant an einer Führung durch eine Ausstellung über die Menora, den traditionellen siebenarmigen Leuchter im Judentum, der Vatikanischen Museen und des Jüdischen Museums in Rom teil. Kurzfristig holte sie diesen Besuch am Samstag nach, weil ihr die Verbundenheit zwischen Judentum und Christentum und die Bedeutung des Respekts der Religionen untereinander wichtig seien, wie sie sagte.

Als Geschenk brachte die Kanzlerin dem Papst eine Beethoven-Gesamtausgabe mit. Für besondere Heiterkeit sorgten bei Franziskus aber zwei weitere Pakete, gefüllt mit seinen Lieblingskeksen und dem süßen Brotaufstrich "Dulce de leche" aus seiner argentinischen Heimat. Diese brachte Merkel von ihrer Reise in der vergangenen Woche mit, bei der sie Mexiko und Argentinien besuchte.

Der Papst überreichte Merkel die Skulptur eines Olivenzweigs, ein Symbol des Friedens. Beim letzten persönlichen Zusammentreffen im Mai 2016 hatte es eine Plakette mit der Darstellung eines Friedensengels gegeben. Merkel kommentierte das Geschenk damals mit den Worten: "Das können wir gut gebrauchen."

Seitdem haben die Krisen und Konflikte auf der Welt nicht abgenommen, neue Herausforderungen sind dazugekommen. Augenscheinlich wird das auch in den weiteren Geschenken des Papstes. Er überreichte ihr drei seiner Schriften, darunter den Appell für mehr Ehrgeiz bei der Bewahrung der Schöpfung unter dem Titel "Laudato si". Die hatte der Papst auch US-Präsident Donald Trump bei dessen Besuch vor wenigen Wochen mit auf den Weg gegeben - kurz bevor dieser seinen Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen ankündigte.

Von Corinna Buschow (epd)