Kirche
Margot Käßmann
© epd-bild / Norbert Neetz
Käßmann: Jetzt sind andere dran
Hannover (epd). Mit Beginn des Ruhestands im Juli will sich die prominente Theologin Margot Käßmann zumindest für einige Zeit ins Privatleben zurückziehen. "Öffentlichkeit heißt auch ständige Auseinandersetzung, angreifbar zu sein und Kritik einzustecken", sagte die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Hannover. Das habe sie auch in Form von Bosheit und Häme erlebt. "Ich muss ehrlich sagen, ich bin dessen ein bisschen müde", erklärte Käßmann: "Jetzt sind andere dran." Am 1. Juli beginnt für die dann 60-Jährige der Ruhestand.

Bis Mai stehe dienstlich noch einiges an, doch für die Zeit danach habe sie bis Ende Dezember keinen öffentlichen Termin zugesagt, sagte Käßmann. Sie freue sich darauf, ihre Zeit wieder selbst einteilen zu können, auf Zeit mit ihrer Familie und aufs Bücherschreiben. Vor allem während ihrer Zeit als Bischöfin der hannoverschen Landeskirche, der sie von 1999 bis 2010 vorstand, sei das Private zu kurz gekommen. "Ich habe meinen Beruf mit Leidenschaft ausgeübt, aber ich finde es gut, wenn es jetzt ruhiger wird", sagte Käßmann.

Vor ihrem Ruhestand wolle sie noch den Katholikentag im Mai in Münster und die deutsche Gemeinde in Peking besuchen. Außerdem halte sie noch Predigten, etwa zur Heidelberger Disputation. "In der Tat fange ich aber schon an zu schreddern", sagte Käßmann. Das Büro in Berlin werde Ende des Monats geschlossen, ihre Wohnung in Berlin sei aufgelöst. "Da ist schon Abschiedsstimmung", sagte Käßmann, die als erste Frau an der Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland stand. Zuletzt war sie für die EKD als Botschafterin für das Reformationsjubiläum im Einsatz.

epd-Gespräch: Corinna Buschow und Julia Lauer