Medien
Journalismus mit tödlichem Risiko
Auf den Philippinen rechtfertigt sogar der Präsident Gewalt
Manila, Frankfurt a.M. (epd). Kritische Fragen zur Menschenrechtslage auf den Philippinen will Präsident Rodrigo Duterte nicht hören. Und so ging er die Journalisten während seines bilateralen Treffens mit US-Präsident Donald Trump beim Gipfel der Gemeinschaft südostasiatischer Staaten (Asean) Mitte November 2017 barsch an: "Wir diskutieren hier Belange, die von Interesse für die Philippinen und die USA sind, und ihr Leute, ihr seid Spione." Während Trump lachte, war den Reportern ganz und gar nicht nach Scherzen zumute: Auf den Philippinen ist ihr Beruf oft lebensgefährlich.

Duterte kam Mitte 2016 an die Macht und geht hart gegen Kritiker vor. Im September 2016 drohten Duterte-Anhänger in sozialen Netzwerken damit, zwei Reporterinnen zu vergewaltigen und deren Familien zu attackieren. Die Journalistinnen hatten über die Militäroffensive gegen Islamisten in der südlichen Stadt Marawi und Dutertes "Anti-Drogen-Krieg" berichtet, in dem Tausende Menschen von Polizisten, Bürgerwehren oder Killerbanden ermordet wurden.

Zwar appellierte Duterte an seine Anhänger, von solchen Drohungen abzusehen. Zugleich aber verteidigte er seine rigorose Law-and-Order-Politik: "Ihr habt recht, ich mache nichts Falsches." Dass der 72-jährige Staatschef Gewalt gegen Reporter durchaus toleriert, ließ er bereits vor Amtsantritt durchblicken. Auf einer Pressekonferenz hatte er Morde an Journalisten entschuldigt und behauptet, die meisten seien korrupt gewesen.

Auch wenn sich die Philippinen mit über 600 Radiostationen und 500 Zeitungen als vergleichsweise frei und vielfältig rühmen, klaffen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander. In der aktuellen Rangliste der Pressefreiheit von "Reporter ohne Grenzen" liegt das Inselreich weit unten auf Platz 127 von 180 Ländern. Dass es im Vergleich zu 2016 um elf Plätze aufrückte, wurde teils darauf zurückgeführt, dass die Anzahl der ermordeten Berichterstatter abgenommen hat.

Dennoch blieben die Philippinen eines der gefährlichsten Länder für Journalisten weltweit: "Private, oft von Lokalpolitikern angeheuerte Milizen zum Beispiel bringen Journalisten völlig ungestraft zum Schweigen", heißt es. Zwar setzte Duterte im Oktober 2016 eine Sondereinheit ein, um Morde an Reportern zu untersuchen. Von merklichen Fortschritten aber hört man nichts.

Schon lange vor Dutertes Amtsantritt mussten die, die über politische Machenschaften, Menschenrechtsverletzungen oder Korruption berichteten, um ihr Leben fürchten. Die Gewerkschaft "National Union of Journalists of the Philippines" beziffert die Zahl der ermordeten Journalisten seit 1986 - dem Jahr, als der damalige Diktator Ferdinand Marcos durch einen Volksaufstand gestürzt worden war - auf mindestens 177.

Das weltweit wohl beispielloseste Verbrechen an Journalisten war das Massaker vom 23. November 2009 in der südlichen Provinz Maguindanao. Damals waren 58 Menschen bestialisch ermordet worden, darunter 32 Medienvertreter. Die anderen waren Angehörige und Unterstützer von Ismael Mangudadatu, dem damaligen Vize-Bürgermeister der Stadt Buluan, der im Mai 2010 für das Amt des Provinzgouverneurs kandidieren wollte.

Sein Rivale, der damalige Amtsinhaber Andal Ampatuan Senior war als einer der Hauptdrahtzieher des Massakers festgenommen worden. Einen der Söhne des 2015 gestorbenen Patriarchen beschuldigt die Justiz, etwa 100 Bewaffnete der familieneigenen Miliz angeführt und persönlich Opfer erschossen zu haben.

Wechselnde Regierungen versprachen juristische Aufarbeitung. Doch auf Gerechtigkeit warten die Angehörigen bis heute. Zeugen wurden ermordet oder bedroht, auch wurde versucht, die Opferfamilien zu bestechen. Mit Kerzen, Luftballons und Gebeten gedachten die Angehörigen am achten Jahrestag der Ermordeten.

Am Rand der Veranstaltung versprach Generalmajor Arnel Dela Vega laut der Zeitung "Manila Bulletin", das Militär werde bei der Jagd nach Verdächtigen helfen. Aus Kreisen von Regierung und Justiz hieß es, man hoffe, dass 2018 die ersten Urteile gefällt werden.

Von Nicola Glass (epd)