Soziales
Hirte sieht sich als "Anwalt für die Interessen der neuen Bundesländer".
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Hirte will Ostdeutschen neues Selbstvertrauen geben
Berlin (epd). Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte (CDU), will seinen Landsleuten neues Selbstbewusstsein geben. "Ich finde, wir haben nach dem 'Tal der Tränen' jetzt allen Anlass, mit großem Selbstvertrauen auf unsere eigene Vergangenheit und unsere Zukunft zu schauen", sagte Hirte dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Berlin. Laut dem ehemaligen Wirtschaftsminister Ludwig Erhard (CDU) seien 50 Prozent der Wirtschaft Psychologie: "Deswegen müssen wir wegkommen von dem Image der 'Jammerossis' und 'Dunkeldeutschlands', damit die Region eine positive Ausstrahlung hat", sagte der aus Thüringen stammende CDU-Politiker.

Er wolle in seiner neuen Funktion als "Anwalt für die Interessen der neuen Bundesländer deren positive Dinge herausstellen", sagte Hirte. Dazu zählten etwa die Vielzahl selbstständiger Unternehmen, Kultur und Tradition. Die Geschichte Deutschlands sei ohne die neuen Bundesländer nicht denkbar. "Das kulturelle Zentrum Deutschlands lag in der Historie nicht im Ruhrpott oder in Bayern oder in Baden-Württemberg, sondern hier bei uns", betonte Hirte. Auch das industrielle Zentrum habe früher in Mitteldeutschland gelegen: "Im Gebiet der heutigen Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen schlug bis zum Zweiten Weltkrieg die Hauptader der deutschen Wirtschaft."

Vieles davon sei zwar durch die DDR-Zeit verloren gegangen, sagte Hirte: "Aber es gibt noch ein 'mindset', das man jedenfalls in diesen drei Bundesländern relativ einfach heben kann." Und Berlin und Brandenburg hätten ohnehin derzeit eine große Anziehungskraft.

Die Ostdeutschen müssten künftig mit größerem Selbstbewusstsein ihre eigenen Interessen durchsetzen. "Da können wir durchaus auch von unseren bayerischen Kollegen lernen, die ihre Interessen in den vergangenen Jahrzehnten immer schon robust vertreten haben", sagte Hirte. Ostdeutschland sei nicht dunkel oder abgehängt: "Hier ist relativ viel in Bewegung, hier gibt es Chancen, sich zu entwickeln." Er werde da eine andere Sprache sprechen als seine Amtsvorgängerin, die SPD-Politikerin Iris Gleicke, sagte Hirte.

Zu einer positiven Entwicklung zähle dabei auch eine größere Repräsentanz der Ostdeutschen, nicht nur in der Politik. Hier wolle er "ein bisschen mehr Druck machen bei Verwaltungen und Behörden", aber auch bei Unternehmen, sagte Hirte: "Aus heutiger Sicht gibt es überhaupt keinen Grund, warum wir in den Verwaltungen der ostdeutschen Länder nicht überwiegend junge einheimische Leute nehmen können."

Häufig wirkten da "sich selbst reproduzierende Systeme", etwa westdeutsche Personalchefs, die dann lieber wieder auf Bewerber mit vertrauten Lebensläufen zurückgriffen. "Vielleicht ist es den Personalverantwortlichen manchmal gar nicht bewusst, welche Präferenzen sie da haben", mutmaßte Hirte. An dieser Stelle wolle er sich für einen Mentalitätswechsel einsetzen.

epd-Gespräch: Jens Büttner