Soziales
Malin (li.) und Sunny spielen auf dem Flur der Kinderklinik virtuell Fussball, Oberarzt Oliver Basu schaut zu.
© epd-bild / Stefan Arend
Fußballfeld im Krankenhausflur
Virtueller Spielplatz bringt kleine Patienten der Uniklinik Essen in Bewegung
Essen (epd). Konzentriert verfolgt Sunny den Fußball zunächst mit Blicken, bevor er ausholt und schießt. "Tor!", freut sich der Vierjährige und startet zum nächsten Spielzug. Dabei achtet er vorsichtig auf die Reichweite seines Infusionsschlauchs. Der Ständer steht am Rand des etwa zwei mal vier Meter großen Spielfeldes, das auf den Boden im Eingangsbereich der Kinderklinik des Universitätsklinikums Essen projiziert wird: Ein virtueller Spielplatz, den die Stiftung Universitätsmedizin für die schwer kranken Kinder eingerichtet hat.

Rund 30.000 Kinder und Jugendliche werden jedes Jahr in der Uniklinik behandelt, vor allem mit schweren Erkrankungen wie Krebs oder nach Transplantationen. Die Idee, ihnen einen virtuellen Spielplatz anzubieten, hatte Oberarzt Oliver Basu. Seine Überlegung war: "Wie können wir die Kinder motivieren zu Bewegung?" Neben der Erkrankung machten auch die Medikamente die kleinen Patienten häufig schlapp und antriebslos, sagt der Mediziner.

Auf Messen entdeckte er interaktive Wand- und Bodenprojektionen, die eigentlich zu Werbezwecken entwickelt wurden und sich etwa in Shopping Malls oder an Flughäfen finden. In Zusammenarbeit mit einem Kölner Technologieunternehmen entstand dann das Pilotprojekt für die Kinderklinik - "einzigartig in der Region Rhein/Ruhr", wie Jorit Ness von der Stiftung Universitätsmedizin betont.

Von 8 bis 20 Uhr läuft die Projektion jetzt täglich, 19 verschiedene Spiele wechseln sich ab. Die Kinder können nicht nur Fußball und Tennis spielen, sondern auch Käfer oder Frösche fangen, flippern, Autos und Flugzeuge verfolgen oder auf Klaviertasten hüpfen und Töne erzeugen. Der Projektor ist in der Decke installiert. Um die Wartung kümmert sich der Oberarzt, der zugleich IT-Chef der Kinderklinik ist, persönlich.

"Das Angebot wird sehr gut angenommen", freut sich Basu. Nicht nur die Patienten der Stationen und der Ambulanzen, auch Besucher und das Personal spielen im Vorbeigehen gerne mal eine Runde. Sunny, der wegen eines Lebertumors regelmäßig zur Chemotherapie in die Klinik muss, kommt am liebsten abends, wenn nicht mehr so viel los ist, berichtet sein Vater.

Dabei macht der Spielplatz nicht nur Spaß, sondern hat auch einen therapeutischen Nutzen, wie der Mediziner betont: "Bewegung, Spaß und Aktivierung des Herzkreislaufsystems wirken sich positiv auf den Therapieverlauf aus." Der Muskelaufbau wird unterstützt, die Atmung verbessert, was Lungenentzündungen verhindern kann. Das interaktive Spielfeld ist außerdem auch für Krabbelkinder und Kinder im Rollstuhl oder mit anderen Handicaps geeignet.

Auch motorisch eingeschränkte Patienten werden animiert, sich zu bewegen, erläutert Basu und deutet auf ein fünfjähriges Mädchen, das etwas schwerfällig auf den überdimensionalen Klaviertasten herumhüpft. Malin zieht einen Infusionsständer hinter sich her, ein buntes Kopftuch versteckt ihren fast kahlen Kopf. Sie hat zwei Hirntumore und muss alle vier Wochen für drei Tage zur Chemotherapie in die Klinik kommen, wie ihre Mutter erzählt.

Basu tippt auf einer Tastatur, die Bodenprojektion wechselt: Jetzt schwimmen bunte Fische durch blaues Wasser. "Wie bei Nemo", ruft Malin begeistert und versucht, die flinken Fische mit den Füßen zu fangen. Damit es nicht langweilig wird, will der Oberarzt in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Medizinische Informatik der Universität Duisburg-Essen noch weitere Anwendungen für den virtuellen Spielplatz entwickeln.

Finanziert hat das 12.000 Euro teure Projekt die Stiftung Universitätsmedizin aus Spenden. Im Neubau der Kinderklinik, der derzeit gegenüber entsteht, soll dann auch so eine interaktive Projektion installiert werden. Wenn genug Spenden zusammenkommen, hätte Basu solche Spielfelder am liebsten auf jeder Station und in jedem Wartebereich der Ambulanzen. Kleine Patienten wie Sunny oder Malin würden sich sicher freuen.

Von Esther Soth (epd)