Soziales
Eine Frau trinkt Coca-Cola.
© epd-bild / Norbert Neetz
Foodwatch stellt Zuckergetränke und Coca-Cola an den Pranger
Berlin (epd). Die Verbraucherorganisation Foodwatch kämpft gegen übermäßigen Konsum von gesundheitsschädlichen Zucker. Dem Getränkekonzern Coca-Cola als Weltmarktführer für Zuckergetränke wirft die Organisation in einem am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Bericht eine Mitverantwortung für die verbreitete Fettleibigkeit und Diabetes in Deutschland vor. Von der Bundesregierung fordert Foodwatch eine Kennzeichnungspflicht für aus medizinischer Sicht überzuckerte Getränke. Zudem sollte auf diese Getränke eine extra Zuckerabgabe erhoben werden, ähnlich wie etwa in Großbritannien und Frankreich.

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) nannte die Forderung nach einer Zuckersteuer zwar verlockend, allerdings würde damit das Problem der Fehlernährung nicht gelöst. Stattdessen sprach sie sich im Kurznachrichtendienst Twitter für eine verstärkte Aufklärung durch "Ernährungsbildung", eine Strategie zur Verringerung von Zucker, Salz und Fetten sowie eine Kennzeichnung von Lebensmitteln aus. Wichtig sei, "dass wir ausgewogen und gesund leben können", so die CDU-Politikerin.

Die Grünen-Politikerin und Ex-Bundesernährungsministerin Renate Künast, forderte die Regierung auf, "der Lebensmittelindustrie endlich auf die Füße" zu treten. Die freiwilligen Kennzeichnungsmaßnahmen der Industrie seien blanker Unsinn und führten Verbraucher bewusst in die Irre. Künast sprach sich für "eine verbindliche transparente Lebensmittelampel" aus. Damit könnten Verbraucher auf einen Blick sehen, "wenn sie es in Wirklichkeit mit Zuckerbomben statt Lebensmitteln zu tun haben". Außerdem forderte die ernährungspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion wie Klöckner "eine nationale Reduktionsstrategie" für Zucker, Salz und Fett in Lebensmitteln.

Foodwatch wirft Coca-Cola in dem mehr als 100 Seiten umfassenden Bericht vor, mit millionenschweren Marketingkampagnen im Internet und im Fernsehen bewusst Kinder und Jugendliche als Zielgruppe ins Visier zu nehmen. Damit verstoße der Konzern gegen seine Selbstverpflichtung, keine Werbung an Kinder unter zwölf Jahren zu richten, sagte Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker.

Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück. Seit Jahren würden sämtliche klassische Limonaden auch in zuckerfreien Varianten angeboten, erklärte Patrick Kammerer von der Geschäftsführung von Coca-Cola Deutschland. Zugleich befürwortet der Konzern eine Ampelkennzeichnung der Inhaltsstoffe auch seiner Getränke. Unterstützung erhält er dabei von Grünen-Chef Robert Habeck, der sich am Mittwoch gegen eine Zuckersteuer, aber für eine "Ernährungsampel" aussprach. Auch Amira Mohamed Ali, Sprecherin der Linken-Bundestagsfraktion für Verbraucherschutz, befürwortete das "Ampelprinzip".

Foodwatch wirft dem Konzern vor, durch gezielte Lobbyarbeit wirksame Regulierungen wie Werbeverbote oder Sondersteuern auf Zucker zu torpedieren. Der Autor des "Coca-Cola-Report", Oliver Huizinga, erklärte, Zuckergetränke seien auch laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine wesentliche Ursache für Fettleibigkeit und die Lebensstil bedingte Typ-2-Diabetes. Er nannte "die Zuckergetränke von Coca-Cola flüssige Krankmacher".

Vor allem Jungen zwischen 14 und 17 Jahren würden laut Robert-Koch-Institut im Schnitt etwa einen halben Liter Zuckergetränke pro Tag trinken. Das entspreche etwa 15-mal der Menge, die die Amerikanische Herzgesellschaft (American Heart Association) für Heranwachsende pro Woche empfiehlt, nämlich 240 Milliliter. Foodwatch forderte Coca-Cola deshalb auf, sein an Kinder und Jugendliche gerichtetes Marketing zu stoppen und nicht länger junge Youtube- und Instagram-Stars, sogenannte Influencer, für Werbezwecke einzuspannen.