Medien
Eltern sorgen sich um surfende Kinder
Studie belegt: Internet-Beschwerdestellen zu wenig bekannt
Berlin (epd). Fast drei Viertel der Eltern in Deutschland (73 Prozent) sorgen sich um die Sicherheit ihrer Kinder beim Surfen im Netz. Das zeigt der am 7. November in Berlin vorgestellte Jugendmedienschutzindex der Freiwilligen Selbstkontrolle der Multimedia-Diensteanbieter (FSM). Zu den genannten Angstauslösern zählen Kontakte zu Fremden, verstörende Gewalt- oder Pornografie-Inhalte, Cybermobbing, Datenklau und Viren. Neun von zehn Eltern wünschten sich einen besseren Schutz ihrer Kinder vor bedenklichen Onlineangeboten, sagte FSM-Geschäftsführer Martin Drechsler.

Zwar sei grundsätzliches Wissen über Jugendmedienschutz bei der Mehrheit der Eltern vorhanden, hieß es. Aber nur ein Drittel kenne auch entsprechende Anlaufstellen. Deshalb sei eine Weiterentwicklung des Jugendmedienschutzes sinnvoll, sagte Uwe Hasebrink als einer der Leiter der Studie vom Hamburger Hans-Bredow-Institut. Niels Brüggen vom beteiligten Münchner JFF-Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis betonte: "Wie wirksam Instrumente des Jugendmedienschutzes sind, entscheidet sich letztlich im Alltag der Familie."

Für den Jugendmedienschutzindex wurden in einer repräsentativen Umfrage in diesem Frühjahr 805 Internet-Nutzer im Alter zwischen 9 und 16 Jahren sowie jeweils ein Elternteil interviewt. Untersucht wurden Sorgen, Einstellungen sowie Wissen und Handeln von Eltern und Heranwachsenden angesichts negativer Erfahrungen im Internet.

Die Autoren der Studie raten, die Einrichtungen der freiwilligen Selbstkontrolle bekannter zu machen. Hotlines und Beschwerdestellen würden bislang kaum wahrgenommen. Zu den bekannteren zählten die von Bund und Ländern getragene Hotline bei jugendschutz.net, die FSM-eigene Beschwerdestelle sowie die gemeinsam von der FSM und dem Verband der Internetwirtschaft (eco) getragene Internet-Beschwerdestelle. Außerdem gebe es eine internationale Vereinigung von Internet-Hotlines mit einer eigenen Beschwerdeseite unter inhope.org.

"Wir beobachten, dass sich das Sorgenspektrum der Eltern und Heranwachsenden verlagert", sagte Drechsler. Mit zunehmendem Alter schwinde die Angst vor Kontakt mit verstörenden Inhalten und "die Sorgen in Bezug auf die Interaktion mit anderen Jugendlichen nehmen zu".

Jugendmedienschutz stößt der Umfrage zufolge auf weitgehende Akzeptanz, auch wenn dadurch die Online-Nutzung eingeschränkt wird: 90 Prozent der Eltern und immerhin 72 Prozent der Heranwachsenden stimmten der Aussage zu, dass der Schutz von Kindern und Jugendlichen wichtiger sei als ein leichter Zugang zu allen Online-Angeboten.

Wenn es aber um konkrete Schutzmaßnahmen gehe, würden Eltern unsicher, ergab die Studie. So seien Altersbeschränkungen zwar weitgehend akzeptiert, andererseits gehe die Mehrheit der Befragten davon aus, dass sie auf Jüngere einen Reiz ausübten, die für Ältere gedachten Angebote zu nutzen. Gegenüber technischen Maßnahmen bestehe bei vielen Eltern eine Offenheit, die allerdings teilweise mit der falschen Erwartung verbunden sei, man könne bei Einsatz einer Filtersoftware das Kind unbesorgt allein surfen lassen.