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Daniel Böcking ist Journalist und stellvertretender Chefredakteur von "bild.de".
© Guetersloher Verlagshaus / Christian Langbehn
"bild.de"-Vize: Online gibt es eine starke christliche Gemeinschaft
Drei Fragen an Daniel Böcking
Berlin (epd). Daniel Böcking (39) ist Journalist und stellvertretender Chefredakteur von "bild.de". Als er zum christlichen Glauben findet, ist er erfolgreich im Job, hat eine Familie und enge Freunde. Eigentlich habe ihm nichts gefehlt, sagt er, "eher bin ich gefunden worden". Seitdem ist er "glücklicher Vollzeit-Christ". Darüber hat Böcking ein Buch geschrieben, das im Juli erschienen ist. Mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) hat er über "Ein bisschen Glauben gibt es nicht" gesprochen.


epd: Sie sind evangelisch getauft. Doch auf der Suche nach Gott begleiteten sie vor allem Einzelpersonen, Freunde. Warum hat die Kirche Sie nicht erreicht?


Böcking: Die Kirche war für mich als Jugendlicher nicht wirklich einladend. Bei den Pfadfindern war das Schöne die Gruppenstunden, und das Blöde war der Gottesdienst. Zwar habe ich mich nicht ausgesperrt gefühlt, aber es passte nicht so richtig für mich. Im Internet und bei Facebook gibt es eine starke christliche Gemeinschaft - und die ist wahnsinnig offen. Wann immer ich online etwas zu meinem Glauben veröffentlicht habe, gab es einen Willkommensgruß, und viele sind auf mich zugekommen.


Die Offenheit der Christen ist da, aber in den Mauern der Kirche habe ich sie bislang so noch nicht erfahren. Deshalb wird der klassische Weg des 10-Uhr-Gottesdienstes wahrscheinlich nicht ausreichen, um neue Mitglieder zu bekommen. Die Kirchen müssen sich überlegen, wo die Menschen sind, die sie erreichen möchten. Viele bewegen sich auch online - deshalb muss man dort auf die Menschen zugehen und nicht warten, bis die zu einem selbst kommen.


epd: Ein Christ bei der "Bild" - für Sie kein Widerspruch. Hat sich Ihre Arbeit nach Ihrer "Umkehr", wie Sie Ihren Weg beschreiben, geändert?


Böcking: Ich habe mich dort immer richtig gefühlt, und das ist nach wie vor so. Wenn ich wirklich fühlen würde, dass ich daran etwas ändern müsste, würde ich es tun. Doch ich bin von Kollegen noch eher bestärkt worden: Ab dem Zeitpunkt, als ich angefangen habe, über meine Ansichten als Christ bei "Bild online" zu schreiben, gab es eine große Offenheit - und zwar von Atheisten, Muslimen und Christen. Wir sprechen hier sehr offen über unsere Werte. Die "Bild" steht für mich für die größte journalistische Kompetenz dieses Landes - warum sollte es falsch sein, dass ich hier arbeite?


epd: Gerade kommen viele Menschen nach Deutschland, die keine Christen sind. Macht Ihnen das Angst?


Böcking: Das Neue Testament gilt für mich als Richtschnur in meinen Leben. Und dort steht nirgends, dass ich Angst haben, Mauern hochziehen oder ablehnend sein sollte. Im Gegenteil steht dort, was ich als praktizierender Christ zu tun habe: dass ich den Ärmeren und Schwächeren helfen soll - und zwar nicht nur den Christen. Ich sehe in der Flüchtlingskrise eine Möglichkeit für mich, dieser Handlungsanweisung zu folgen. Deshalb engagiere ich mich in der Flüchtlingshilfe.


epd-Gespräch: Elisa Makowski