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Anschuldigungen gegen Dieter Wedel: SR richtet Taskforce ein
Saarbrücken (epd). Der Saarländische Rundfunk (SR) will die Vorwürfe sexueller Übergriffe durch den Regisseur Dieter Wedel während einer SR-Produktion in den 80er Jahren untersuchen lassen. Eine Taskforce aus drei Personen solle das Verhalten des SR als Unternehmen prüfen, sagte SR-Intendant Thomas Kleist am 25. Januar dem Deutschlandfunk. Die Untersuchungsgruppe werde Akten auswerten und Zeitzeugen befragen. Kleist sagte, auch wenn die Vorgänge heute strafrechtlich verjährt seien, seien sie nicht ungeschehen zu machen.

Die Wochenzeitung "Die Zeit" hatte in ihrer aktuellen Ausgabe über neue Vorwürfe gegen Wedel (75) berichtet. Die Schweizer Schauspielerin Esther Gemsch wirft Wedel darin vor, er habe während der Dreharbeiten zu der Serie "Bretter, die die Welt bedeuten" versucht, sie zu vergewaltigen. Der Achtteiler wurde von Telefilm Saar produziert, einer bis 2007 existierenden Tochterfirma des SR.

Die "Zeit" beruft sich in ihrer Berichterstattung auch auf Akten aus dem SR-Archiv, aus denen hervorgeht, dass die Vorwürfe bei der Produktionsfirma bekannt waren. Gemsch wurde bei den Dreharbeiten schließlich durch eine andere Schauspielerin ausgetauscht, die Wedel ebenfalls sexuelle Übergriffe vorwirft. Kleist hatte am 24. Januar im NDR angekündigt, die Vorwürfe bei der nächsten Sitzung der ARD-Intendanten zu thematisieren.

Schon Anfang Januar hatte die "Zeit" über Anschuldigungen von mehreren Frauen gegen Wedel berichtet, die dem Regisseur vorwerfen, sie vor über zwei Jahrzehnten sexuell bedrängt zu haben. Zwei der Frauen legten eidesstattliche Erklärungen vor, Wedel widersprach den Vorwürfen ebenfalls mit einer eidesstattlichen Erklärung. Der Regisseur war als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele zurückgetreten. Zudem wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft München aufgrund des "Zeit"-Berichts von Anfang Januar Ermittlungen gegen Wedel wegen des Anfangsverdachts auf eine möglicherweise nicht verjährte Straftat aufgenommen hat.

Nach eigenen Angaben sind der Wochenzeitung mittlerweile 18 Fälle bekannt, bei denen Wedel Belästigungen und Übergriffe bis hin zur sexuellen Nötigung vorgeworfen werden, darunter weitere Vorfälle, die sich bei Produktionen für die ARD zugetragen haben sollen. Wedels Anwalt Michael Philippi sagte am 24. Januar der ARD-"Tagesschau", dass sich der Regisseur aus gesundheitlichen Gründen nicht zu den neuen Vorwürfen einlassen könne. Philippi bezeichnete die Berichterstattung der "Zeit" als "eine grob unzulässige Verdachtsberichterstattung, für die jedes Maß verloren gegangen ist".