Kirche
Mit einem feierlichen Trauergottesdienst ist Kardinal Joachim Meisner im Kölner Dom beigesetzt worden.
© epd-bild / Guido Schiefer
Abschied von Kardinal Meisner
Ehemaliger Kölner Erzbischof im Dom beigesetzt
Köln (epd). In einer feierlichen Totenmesse ist Kardinal Joachim Meisner im Kölner Dom beigesetzt worden. Die Begräbnisfeier mit rund 4.000 Besuchern verlief ganz nach Wünschen des ehemaligen Kölner Erzbischofs: Sein Freund Kardinal Peter Erdö, der Primas von Ungarn, hielt die Predigt, gesungen wurden Lieder, die Meisner selbst ausgesucht hatte. Und am Ende fand Meisner seine letzte Ruhe gegenüber seinem illustren Vorgänger Joseph Frings (1887-1978).

Meisner war am 5. Juli im Alter von 83 Jahren gestorben. Ein Vierteljahrhundert lang, von 1989 bis 2014, war er Erzbischof von Köln, zuvor von 1980 bis 1988 Bischof von Berlin. 2014 war er auf eigenen Wunsch in den Ruhestand versetzt worden und lebte seither zurückgezogen in Köln.

In seiner Predigt am 15. Juli sagte Kardinal Erdö, Meisners christliches und soziales Zeugnis habe sich weit über die Grenzen des Erzbistums Köln ausgewirkt. Als Bischof von Berlin habe er einen kaum zu überschätzenden Beitrag zur deutschen Wiedervereinigung geleistet. "Es war eine heikle Position, die viel Verständnis und Diplomatie von ihm verlangte."

Im liberalen Köln war Meisner mit seinen erzkonservativen Ansichten so manches Mal angeeckt. Der Trauerzug, der den Sarg am Samstagmorgen von der Basilika St. Gereon zum Dom geleitete, wurde von deutlich weniger Menschen gesäumt als bei seinen Vorgängern Joseph Höffner und Joseph Frings. In dem Zug liefen nach Schätzung des Erzbistums etwa 1.000 Menschen mit.

Während in Höffners Prozession der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) und Bundespräsident Richard von Weizsäcker mitgegangen waren, war diesmal kein Vertreter der Bundespolitik dabei. Anwesend waren NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos). Meisner war nie davor zurückgeschreckt, Politikern aller Parteien die Leviten zu lesen und hatte sich so nicht nur Freunde gemacht.

Auch innerkirchlich hatte Meisner bis zuletzt Position bezogen. Der Kardinal, der als Vertrauter von Papst Johannes Paul II. und dessen Nachfolger Benedikt XVI. galt, ging auf deutliche Distanz zu Papst Franziskus. Zuletzt hatte er gegen eine Aufweichung kirchlicher Positionen etwa gegenüber wiederverheirateten Geschiedenen opponiert.

Auch der emeritierte Papst Benedikt ließ in seinem Grußwort, das sein langjähriger Privatsekretär Georg Gänswein verlas, Kritik am Zustand seiner Kirche anklingen. Benedikt verglich die Kirche mit einem Boot, das manchmal "fast zum Kentern angefüllt ist". Es brauche dringend "überzeugende Hirten", die der "Diktatur des Zeitgeistes widerstehen".

Der Totenmesse wohnten etwa 50 Kardinäle und Bischöfe aus dem In- und Ausland bei, darunter auch Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, und der entlassene Chef der römischen Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Für die evangelische Kirche kam der rheinische Präses Manfred Rekowski.

Am Ende der Messe wurde der Sarg vom Hochchor aus in die Bischofsgruft des Doms hinuntergelassen. Angst vor dem Tod hatte Meisner nicht, wie der amtierende Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki am Samstag in einer WDR-Morgenandacht sagte. "Er war fest davon überzeugt, dass er am Ende seines irdischen Lebens von Gottes offenen Armen umfangen würde."

Meisner war im Urlaub in Bad Füssing gestorben. In seinem Grußwort sagte der emeritierte Papst Benedikt, man habe den Kardinal tot in seinem Zimmer gefunden, nachdem er nicht zur Messe erschienen sei. Das Brevier sei Meisner aus den Händen geglitten. "Er war betend gestorben."