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Schäuble: Selbstbewusster Protestantismus wichtig für Deutschland

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat auf eine enge Beziehung zwischen reformatorischem Christentum und Politik hingewiesen. "Ein starker und selbstbewusster Protestantismus ist für die deutsche Demokratie von großer Bedeutung", schreibt der Politiker und evangelische Christ in der Zeitschrift "Pastoraltheologie". Es bestehe kein Zweifel, dass die Religion eine "wichtige Quelle politischen Handelns und politischen Engagements" sei.

Solange sich die Kirche klar darüber sei, dass sie neben anderen ein Akteur in einer "pluralen Bürgergesellschaft" sei, habe die Politik ein "Eigeninteresse an einem starken politischen Protestantismus", führt der Bundesminister aus. Dabei müssten beide Seiten, Kirche und Politik, die Eigenarten des jeweils anderen akzeptieren.

Mit Blick auf die vergangenen Jahrzehnte deutscher Geschichte hebt Schäuble Protestanten hervor, die sich unter Berufung auf ihren Glauben in demokratische Prozesse eingebracht hätten, zum Beispiel in der Anfangsphase der Wende. Schäuble warnt zugleich aber auch davor, sich zu häufig auf die "unbedingte Gewissenpflicht" zu berufen. "Nicht jede politische Frage, um die in der Demokratie kontrovers gerungen wird, ist ein 'Reichstag zu Worms'", schreibt er mit Blick auf den Auftritt von Martin Luther (1483-1546) beim Reichtag zu Worms im Jahr 1521, wo er seine Lehre gegenüber der Politik verteidigte und sich auf sein Gewissen berief.

Weiter zurück in der deutschen Geschichte sieht Schäuble aber auch "eine ganz andere Tendenz": Unter Berufung auf Luthers Lehre von den zwei Reichen und auf dessen Unterstützung des brutalen Vorgehens der Fürsten in den Bauernkriegen habe unter den deutschen Protestanten die "Bereitschaft zur prinzipiellen Unterordnung unter ein bestehendes Regime" bestanden. So habe zum Beispiel in der Zeit des Nationalsozialismus die Bereitschaft zum Widerspruch aus Gewissensgründen in Deutschland gerade dann gefehlt, als es "am meisten Not tat".

Unter dem Titel "Das Reformationsjubiläum 2017 und die Politik in Deutschland und Europa" weist Schäuble auch auf die europäische Dimension der Reformation in Geschichte und Gegenwart hin. Nach einem schwierigen Lernprozess, der "mit viel Blut bezahlt" worden sei, habe die Reformation Europa gelehrt, mit religiöser Pluralität umzugehen. "Letztlich verdanken wir dieser erzwungenen Pluralität also das Konzept der Religionsfreiheit", schreibt Schäuble.

Der Thesenanschlag Martin Luthers vor fast 500 Jahren, am 31. Oktober 1517, an die Wittenberger Schlosskirche gilt als Ausgangspunkt der Reformation und weltweite Geburtsstunde des Protestantismus. Kirchenvertreter und Politiker eröffnen das Jubiläumsjahr mit einem Festgottesdienst und einem Staatsakt in Berlin bereits am 31. Oktober 2016.