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Papst wirbt für Ende der Gewalt in Venezuela - Mehr als eine Million Gläubige bei Predigt zum Ende der Kolumbienreise

Papst Franziskus hat bei der letzten Station seiner Kolumbien-Reise zu einem Ende der Gewalt im Nachbarland Venezuela aufgerufen. Angesichts der steigenden Zahl von Toten, Verletzten und Festgenommenen beobachte er die Radikalisierung und Verschärfung der Krise mit großer Sorge, sagte Franziskus am Sonntag (Ortszeit) bei einer Predigt in Cartagena vor mehr als einer Million Gläubigen. Er mahnte, auf jede Art von politischer Gewalt zu verzichten und eine Lösung der schweren Krise zu suchen.

Franziskus bekundete seine Fürsorge für die "Brüder und Schwestern", die aus Venezuela nach Kolumbien geflüchtet seien. "Ich möchte jedem einzelnen Land Lateinamerikas mein Gebet zusichern, in besonderer Weise dem Nachbarland Venezuela", sagte er. Franziskus hatte Venezuelas Staatspräsidenten Nicolás Maduro vergeblich zum Verzicht auf die Einsetzung einer verfassungsgebenden Versammlung aufgerufen. Das Gremium, im dem vorwiegend Maduro-Anhänger vertreten sind, hat das Parlament entmachtet. Seit Anfang 2016 stellt die Opposition eine Mehrheit in der Nationalversammlung.

Zu Beginn seiner fünftägigen Reise nach Kolumbien hatte der Papst Bischöfe aus Venezuela empfangen, die über die schwere Krise in ihrem Heimatland berichteten. Bei den politischen Auseinandersetzungen kamen seit April in Venezuela rund 130 Menschen ums Leben. In Cartagena erinnerte Franziskus auch an den Heiligen Petrus Claver, einen Jesuiten, der in Kolumbien als Schutzheiliger der Menschenrechte verehrt wird.

Die fünftägige Reise des Papstes nach Kolumbien stand unter dem Motto der Aussöhnung. Nach mehr als 50 Jahren des bewaffneten Konflikts haben die kolumbianische Regierung und die linke Farc-Guerilla im Dezember vergangenen Jahres einen Friedensvertrag abgeschlossen. Der Vatikan hatte die langwierigen Verhandlungen maßgeblich unterstützt. Seit Februar verhandelt auch die kleinere ELN-Rebellengruppe mit den Behörden. Die Paramilitärs wurden bereits seit einigen Jahren entwaffnet, verbreiten jedoch weiter teilweise in neuen Gruppen Angst und Schrecken. Im Konflikt zwischen linker Guerilla, Militär und rechten Milizen starben rund 300.000 Menschen. Sieben Millionen Menschen sind auf der Flucht.

In seinen Predigten warb Franziskus immer wieder für eine Fortsetzung des Friedensprozesses und einen Neubeginn. Er mahnte die Gläubigen, "Finsternis der Rachsucht und des Hasses" nicht zuzulassen. Auf dem Weg zu Frieden dürften sie sich nicht entmutigen lassen. Bei einem Versöhnungstreffen in der ehemaligen Konfliktregion Villavicencio brachte er Opfer des Bürgerkrieges, Ex-Guerilla-Kämpfer und ehemalige Paramilitärs zusammen. "Heilen wir den Schmerz und nehmen jeden Menschen auf, der Straftaten begangen hat, sie bekennt, bereut und sich zu Wiedergutmachung verpflichtet", sagte der Papst.

Der Besuch von Franziskus ist die erste Papstreise nach Kolumbien seit 30 Jahren. Zuvor hatten Paul VI. 1968 und Johannes Paul II. 1986 das lateinamerikanische Land besucht. Für Franziskus ist es die 20. Auslandsreise.