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Papst Franziskus besucht erstmals Synagoge

Papst Franziskus wird am Sonntag erstmals in seinem Pontifikat eine Synagoge besuchen. Der Argentinier wird nach Johannes Paul II. und Benedikt XVI. bereits als drittes Oberhaupt der katholischen Kirche in dem jüdischen Gebetshaus in Rom erwartet.
Kurienkardinal Kurt Koch, der die vatikanische Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum leitet, wird den Papst begleiten.

Franziskus hatte nach seiner Wahl 2013 in einem Brief an den römischen Oberrabbiner Riccardo Di Segni die Hoffnung geäußert, dass er zum Fortschritt betragen könne, "den die Beziehungen zwischen Juden und Katholiken seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil erleben."

Die am 28. Oktober 1965 verabschiedete Konzils-Erklärung "Nostra aetate" ("In unserer Zeit") ist ein Meilenstein für das Verhältnis der römisch-katholischen Kirche zu den nichtchristlichen Weltreligionen. Das Dokument steht nach der historischen Erfahrung mit dem Holocaust vor allem für die Öffnung gegenüber dem Judentum.

Oberrabbiner Di Segni würdigte die anstehende Visite als "Zeichen der Freundschaft". Im Vordergrund stünden Gemeinsamkeiten und nicht Unstimmigkeiten, sagte er der "Jüdischen Allgemeinen". Ausdrücklich lobte Di Segni das im Dezember vorgelegte neue Vatikan-Dokument zu den Beziehungen zum Judentum, in dem die katholische Kirche auf organisierte Judenmission verzichtet.

Der Papstbesuch zeige, dass Religionen in Frieden nebeneinander existieren könnten, sagte Di Segni. Angesichts von Hass und Gewalt, die mit Religion gerechtfertigt würden, gehe von dem Besuch eine gegenläufige Botschaft aus. "Wir freuen uns auf ihn. Wir sind eine große Gemeinde mit einer langen und wechselvollen Geschichte und mit vielen Institutionen - sie alle werden da sein", sagte der Rabbiner.

Den ersten Besuch eines Papstes in der Synagoge 1986 bezeichnete Di Segni als "revolutionären Schritt". Benedikt XVI. habe diese Linie bestätigt, und der Besuch von Franziskus werde stark von dessen Vorliebe für das direkte Gespräch geprägt sein: "Er will einfach Leute aus der Gemeinde treffen - Sozialarbeiter, Vertreter von Gemeindeorganisationen, Schoah-Überlebende."