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Papst dringt auf Beseitigung der Fluchtursachen

Angesichts der weltweiten Flüchtlingsströme fordert Papst Franziskus mehr Anstrengungen zur Beseitigung der Ursachen von Flucht und Vertreibung. Hunger sei eine der "schwersten Plagen unserer Welt", sagte er am Montag beim traditionellen Empfang für das beim Heiligen Stuhl akkreditierte Diplomatische Corps. Für Armutsflüchtlinge fehle es an wirksamen Schutzabkommen. An die Adresse Europas gerichtet mahnte Franziskus, die Prinzipien von Humanität und Solidarität nicht aufzugeben, "auch wenn sie in einigen Momenten der Geschichte eine schwer zu tragende Bürde sein können". 180 Staaten unterhalten diplomatische Beziehungen zum Heiligen Stuhl.

Europa sei mit einem Flüchtlingsstrom konfrontiert, wie es ihn in der jüngeren Geschichte noch nicht gegeben habe. "Die massenhaften Landungen an den Küsten des Alten Kontinents scheinen jedoch das System der Aufnahme ins Wanken zu bringen, das auf den Trümmern des Zweiten Weltkriegs mühsam aufgebaut wurde und immer noch ein Leuchtfeuer der Menschlichkeit darstellt, auf das man sich beziehen kann", sagte der Papst.

Zugleich zeigte Franziskus sich zuversichtlich, dass Europa "die Mittel" habe, um ein Gleichgewicht zwischen dem Schutz der eigenen Bürger und der Aufnahme von Flüchtlingen zu finden. Franziskus wird in diesem Jahr mit dem Internationalen Karlspreis für seine Verdienste um die europäische Einigung ausgezeichnet.

Bei der Bekämpfung der Fluchtursachen forderte der Papst gemeinsame Lösungen, da einseitiges Vorgehen sich unweigerlich auf die gesamte internationale Gemeinschaft auswirke. Um bewaffnete Konflikte zu lösen, vor denen die Menschen fliehen, müssten Fragen wie Waffenhandel, Rohstoff- und Energieversorgung, Investitionen, Finanzpolitik und Korruption angegangen werden.

Entwicklungshilfe dürfe nicht an Strategien und Verfahren gebunden werden, die den Kulturen der Empfängerländer ideologisch fremd seien. Außerdem rief der Papst dazu auf, den Menschenhandel zu stoppen. Fehlende Möglichkeiten "regulärer Migration" trieben Migranten Schleppern und Menschenhändlern in die Arme.

In seiner Grundsatzrede vor den Botschaftern erinnerte Franziskus überdies an die Terroranschläge der vergangenen Monate. "Nur eine ideologische und irregeleitete Form von Religion kann daran denken, durch vorsätzlichen Mord an wehrlosen Menschen im Namen Gottes Gerechtigkeit zu erweisen, wie es in den blutigen Terroranschlägen der vergangenen Monate in Afrika, Europa und im Nahen Osten geschehen ist", sagte der Papst.