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Noch keine Klärung im evangelikalen Richtungsstreit in Sicht

In der Kontroverse über den Kurs der evangelikalen Bewegung ist noch keine Klärung in Aussicht. Zunächst sollten die Beratungen im Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz Anfang März abgewartet werden, teilte Generalsekretär Hartmut Steeb am Mittwoch mit. Die aufgeworfenen Fragen seien so grundsätzlich und gewichtig, "dass wir uns im obersten Leitungsgremium damit befassen wollen". Die Deutsche Evangelische Allianz ist der Dachverband für rund 1,3 Millionen evangelikal, pietistisch und charismatisch ausgerichtete Christen aus Landes- und Freikirchen.

Konservative Evangelikale hatten am Wochenende die evangelikalen Dachverbände aufgefordert, strittige Positionen etwa zur Pluralität in Glaubensfragen oder zum Umgang mit Homosexualität zu klären. "Wir fordern die zuständigen Gremien des Gnadauer Verbandes und der Deutschen Evangelischen Allianz auf, zu Irritationen klärend Stellung zu beziehen und bitten um gemeinsame Gespräche", heißt es in einem Kommuniqué, das nach einem Treffen von 65 Vertretern aus der evangelikalen Bewegung in Kassel veröffentlicht wurde. Eingeladen dazu hatte Ulrich Parzany, langjähriger Generalsekretär des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) und früherer ProChrist-Redner.

Auslöser der Parzany-Initiative sind Interviews des Vorsitzenden der Evangelischen Allianz, Michael Diener. Darin hatte der pfälzische Pfarrer die evangelikalen Christen zu mehr Selbstkritik ermuntert, vor Abschottung gegen die Landeskirchen gewarnt und für mehr Toleranz auch gegenüber Homosexuellen geworben. Diese könnten auch Mitglied einer evangelikalen Gemeinde sein.

Parzany warf Diener, der auch dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) angehört, daraufhin vor, Positionen der Evangelischen Allianz zu relativieren. Zur Gründung eines neuen evangelikalen Bündnisses, wie es Parzany als "Netzwerk Bibel und Bekenntnis" ins Gespräch gebracht hatte, war es bei dem Treffen theologisch-konservativer Christen am Wochenende nicht gekommen. Die Unterzeichner wenden sich gegen eine Öffnung für mehr Pluralität in Lehrfragen. "Wir widersprechen Ansichten, es seien gegensätzliche Verständnisse und Lesarten der Bibel zu akzeptieren", heißt es in dem Kasseler Kommuniqué.