Mit einem Festgottesdienst ist am Sonntag das 50-jährige Jubiläum der neuen Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin gefeiert worden. Unter den Gästen waren auch Bundespräsident Christian Wulff und dessen Ehefrau, Altbundespräsident Richard von Weizsäcker, der neue Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU) sowie Alt-Bischof Martin Kruse. Der evangelische Bischof für Berlin, Brandenburg und die schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, erinnerte in seiner Predigt an den hohen Symbolgehalt des Westberliner Wahrzeichens.
Dröge sagte, der Bau sei ein deutliches Bekenntnis zur Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte. Dies schließe schmerzhafte Erinnerungen an Krieg und Zerstörung, an Schuld und Versagen ein. "Wie keine andere Berliner Kirche steht das Ensemble der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in der öffentlichen Wahrnehmung für Versöhnung und Frieden", betonte der Bischof.
Der Kirchenbau schlage auch eine "Brücke der Versöhnung nach Coventry", der 1940 bei einem schweren Luftangriff zerstörten englischen Stadt. Dieser Versöhnungsgedanke werde besonders deutlich dadurch, dass das Jubiläum mit ökumenischen Gästen aus Coventry gefeiert werden, hob Dröge hervor. Grüße aus Coventry überbrachte bei dem Festgottesdienst am Sonntag Bischof Christopher Cocksworth.
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) erklärte bereits vor dem Gottesdienst, der Kirchenbau sei bis heute "vor allem Mahnmal für das Grauen und für die Unmenschlichkeit des Zweiten Weltkriegs". Dies sei die besondere Friedensbotschaft, die von dem Ensemble aus Turmruine und modernem Kirchenbau ausgehe.
Die alte Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche war im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Die neue, vom Architekten Egon Eiermann entworfene Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche wurde am 17. Dezember 1961 eingeweiht. Der achteckige Bau zeichnet sich unter anderem durch seine blauen Glasfenster aus. Die Ruine des Alten Turms blieb nach langen Diskussionen als Mahnmal erhalten. Sie wurde zum Wahrzeichen des westlichen Berliner Stadtzentrums.
