Die Gründerin einer Hilfsorganisation für Missbrauchsopfer hat Bischöfe in aller Welt aufgefordert, Klagen von Betroffenen auch lange Zeit nach den Übergriffen aufmerksam anzuhören. "Jedes Opfer entscheidet für sich, ob es vergibt oder nicht, aber allein die Tatsache, dass die Kirche um Vergebung bittet, ist wichtig", sagte Marie Collins am Dienstag bei einer Tagung in Rom. In den vergangenen Jahren spielte sie eine wichtige Rolle bei der Aufarbeitung des Missbrauch-Skandals in Irland.
Die Gründerin der Marie-Collins-Stiftung sieht in Bußgesten wie etwa einer Fußwaschung für Missbrauchsopfer Zeichen für die von Papst Benedikt XVI. angemahnte Erneuerung der Kirche. In einer Grußbotschaft an die Vertreter von 110 Bischofskonferenzen hatte Benedikt am Montagabend dem Schutz der Missbrauchsopfer oberste Priorität beigemessen.
Die aus Dublin gebürtige Collins berichtete über ihre eigene Missbrauchserfahrung. Als 13-Jährige war sie in einem Krankenhaus von einem Geistlichen missbraucht worden. Da es sich bei dem Täter um einen Priester handelte, sei sie überzeugt gewesen, "dass es meine Schuld war und nicht seine". Nach ihrem Krankenhausaufenthalt sei sie nicht mehr das unbeschwerte Mädchen von einst gewesen. Ihre Vorwürfe seien von der Kirche lange ignoriert worden, jahrzehntelang habe sie an Depressionen gelitten.
Die Konferenz an der päpstlichen Gregoriana-Universität, an der Bischöfe und Ordensobere teilnehmen, soll wirksame Strategien zur Prävention und Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch Minderjähriger in der Kirche entwickeln. Aus Deutschland nehmen der Münchener Kardinal Reinhard Marx und der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Stephan Ackermann, teil. Im Rahmen der Konferenz soll ein Projekt für einen mehrsprachigen E-Learning-Kurs zum Umgang mit Missbrauch vorgestellt werden, der in Zusammenarbeit mit der Universität Ulm eingerichtet wird.
