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Missbrauchs-Experte vermisst akademische Aufarbeitung

Der Leiter des Kinderschutz-Zentrums an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom vermisst akademisch-theologische Arbeiten über den Missbrauch von Kindern in der Kirche. "Die akademische Theologie hält Abstand zu dem so schweren, abgründigen Thema", sagte der deutsche Theologe, Psychologieprofessor und Psychotherapeut Hans Zollner der Zeitschrift "Publik-Forum". Es gebe "nahezu keine Veröffentlichungen". Es stellten sich aber dringende Fragen wie die, was es bedeute, beim Täter von Vergebung zu sprechen und bei einem Opfer von Erlösung oder Heilung.

Wichtig sei es auch, zu erforschen, was der Missbrauch von Kindern für das Bild der Kirche von sich selbst bedeute oder was es heiße, dass der Priester als "Mann Gottes" ein Täter sei, sagte Zollner, der auch Mitglied der Päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen ist. Bischöfe delegierten das Problem gern an Psychologen und Kirchenrechtler, kritisierte der Vizerektor der Universität Gregoriana und sagte: "Das genügt nicht."

Das Centre for Child Protection (Kinderschutz-Zentrum) an der Universität Gregoriana in Rom und die 2014 eingesetzte Päpstliche Kommission für den Schutz von Minderjährigen sollen nach eigenen Angaben "die Kirche in ihrem Vorgehen gegen sexuellen Missbrauch unterstützen". Das Kinderschutz-Zentrum arbeitet unter anderem mit einem E-Learning-Programm, das laut Jesuitenpater Zollner von Orden, Universitäten und Schulen in der ganzen Welt genutzt wird.