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Kuratoriumsvorsitzende der Lilje-Stiftung tritt im Streit um Künstler Klahn zurück

Im Konflikt um den Umgang mit dem umstrittenen Künstler Erich Klahn (1901-1978) ist die hannoversche Hochschulpräsidentin Susanne Rode-Breymann von ihrem Amt als Kuratoriumsvorsitzende der kirchlichen Hanns-Lilje-Stiftung zurückgetreten. Der Rücktritt stehe in Zusammenhang mit der Diskussion um Klahn, sagte Stiftungs-Sekretär Christoph Dahling-Sander dem epd am Mittwoch. Auch ihr Amt in der hannoverschen Landessynode hat Rode-Breymann niedergelegt, wie das Synodalbüro bestätigte.

Die hannoversche Landeskirche hatte am Dienstag ein Gutachten vorgestellt, das sich mit der Nähe des Künstlers zur NS-Ideologie befasst. Darin weist der Historiker Herbert Pötter nach, dass sich Anklänge an völkisch-nationales Gedankengut unter anderem auch in Altären Klahns widerspiegeln. Das Gutachten soll bei einer Tagung von Landeskirche, Akademie Loccum und Lilje-Stiftung über Künstler und Kirche im "Dritten Reich" am 14. März diskutiert werden. An dieser Tagung entzündet sich die Kritik von Rode-Breymann.

Aus ihrer Sicht kommt die Veranstaltung zu früh. Sie habe darum gebeten, diese zu verschieben. "Erst sollte man über das Gutachten die Köpfe beugen", hatte sie am Dienstag dem epd gesagt. Sie störe sich aus wissenschaftlicher Sicht auch am Podium der Tagung, sagte die Präsidentin der Hochschule für Musik, Theater und Medien. Wirklich namhafte Kunsthistoriker fehlten. Zudem müssten die kontroversen Parteien im Streit um Klahn, die Klosterkammer Hannover und die Familie des Künstlers beteiligt werden.

Die staatliche Behörde Klosterkammer befindet sich in einem Rechtsstreit mit den Erben des Künstlers. Sie will die Werke Klahns nicht länger im Kloster Mariensee bei Hannover zeigen.

Stiftungs-Sekretär Dahling-Sander sprach gegenüber epd von einer überraschenden Reaktion der Kuratoriumsvorsitzenden. Die Zusammenarbeit mit Rode-Breymann sei immer "außerordentlich gut" gewesen. Die Professorin wurde den Angaben zufolge im Dezember 2012 in das Kuratorium berufen und hatte seit April 2014 den Vorsitz. Diesen werde jetzt die bisherige stellvertretende Vorsitzende Thela Wernstedt übernehmen, sagte Dahling-Sander. Die 1989 gegründete Hanns-Lilje-Stiftung fördert den Dialog von Kirche und Theologie mit Wissenschaft, Wirtschaft, Kunst und Politik.