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Kirchen setzen im Reformationsjahr 2017 auf Ökumene - Käßmann sieht kreative Energie - Bode wünscht sich Kommunion für katholisch-evangelische Ehen

Die Kirchen setzen im neuen Jahr auf Schwung für die Ökumene. "Es wird das erste Mal ein ökumenisches Reformationsjubiläum", erklärte die Reformationsbotschafterin der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann. Das hätte man sich vor 100 Jahren so noch nicht vorstellen können, sagte Käßmann, die den Jahreswechsel in Neuseeland an der Datumsgrenze verbrachte, am Neujahrstag im Deutschlandfunk. Die evangelische Kirche feiert 2017 500 Jahre Reformation. Am 31. Oktober 1517 hatte Martin Luther seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit veröffentlicht.

Die Betonung liege nicht mehr auf den Unterschieden, sondern auf dem, "was uns vereint", sagte Käßmann beim Neujahrs-Gottesdienst auf den neuseeländischen Chatham-Inseln. In unterschiedlichen Sichtweisen liege dabei eine kreative Energie. Ökumene bedeute auch, Unterschiede zu respektieren und den gemeinsamen Glauben an Jesus Christus zu feiern.

Aus Sicht des evangelischen Ökumene-Bischofs Karl-Hinrich Manzke hat das Gedenkjahr bereits jetzt einen "ökumenischen Schub" gebracht. Bei den Vorbereitungen und ersten Veranstaltungen seien sich Protestanten und Katholiken bereits nähergekommen. Das sei anders als bei früheren Reformationsjubiläen, bei denen die antikatholischen Impulse des Reformators Martin Luther (1483-1546) stärker hervorgehoben worden seien, sagte Manzke dem epd.

Diesmal hätten die Protestanten die katholische Kirche zum Mitfeiern eingeladen. Dabei solle über alle Differenzen hinweg ein Geist der Versöhnung herrschen. Das sei ganz offensichtlich auf deutscher wie auf internationaler Ebene gut gelungen. Manzke, Bischof der schaumburg-lippischen Landeskirche mit Sitz in Bückeburg, ist Catholica-Beauftragter der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD). Weitere Annäherungen zwischen beiden Konfessionen verspricht sich Bischof Manzke in praktischen Fragen. "Wir haben einen gemeinsamen gesellschaftlichen Auftrag, das verpflichtet uns zum gemeinsamen Agieren." Dazu gehöre etwa die Seelsorge in Polizei und Bundeswehr oder in Krankenhäusern.

Der Osnabrücker katholische Bischof Franz Josef Bode erhofft sich eine Annäherung beim gemeinsamen Abendmahl von katholischen und evangelischen Ehepartnern. Es wäre ihm ein persönliches Anliegen, "wenn wir auf unserer Seite für die konfessionsverschiedenen Ehen eine Lösung finden könnten", sagte Bode dem epd. Tatsächlich gingen bereits viele Protestanten mir ihren katholischen Ehepartnern gemeinsam zur Kommunion. "Wir müssen dem eine Grundlage geben, was wir in der Praxis oft schon haben."

Er sehe es als "nicht utopisch" an, dass es in diesem speziellen Fall 2017 zu einer Abendmahlsgemeinschaft kommen könnte, betonte der Bischof. Die Eucharistie oder heilige Kommunion ist in der katholischen Kirche ein Sakrament, an dem nur Mitglieder teilnehmen dürfen. In der evangelischen Kirche sind alle Gläubigen zum Abendmahl eingeladen.

Im Jahr des Reformationsgedenkens sei es sinnvoll, sich stärker damit auseinanderzusetzen, wie eine gemeinsame Kirche der Zukunft aussehen könnte, sagte Bode. "Es ist mir zu einfach, wenn beide Konfessionen in der Ökumene immer nur den Weg als das Ziel betrachten." Wichtige Eckpunkte könnten die generelle Abendmahlsgemeinschaft und das Verständnis der Ämter sein.