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Keine neuen Hinweise auf Medikamententests in Hephata

Die Prüfung von mehreren hundert Krankenakten aus dem Archiv der Hephata Diakonie hat keinen Hinweis auf mögliche Medikamententests an Heimkindern in Hephata in den 1950er bis 1970er Jahren ergeben. Wie das Diakoniezentrum am Donnerstag in Schwalmstadt mitteilte, gibt es auch im Archiv des Pharmaherstellers Merck keinen Beleg für eine Bestellung von Test-Präparaten durch eine Hephata-Ärztin oder gar für eine eigene Studie in Hephata.

Angestoßen hatte die Recherchen ein Aufsatz der Pharmazeutin Sylvia Wagner über Medikamententests an Heimkindern. In ihrem Quellenverzeichnis hatte Wagner neben etlichen anderen Heimen, Kliniken und Ärzten die Stichworte "Hephata, Treysa" genannt, die sie in einem Dokument im Archiv der Firma Merck entdeckt hatte.

Dabei handelt es sich um ein Schreiben von Merck aus dem Dezember 1957 an eine seinerzeit in Hephata tätige Ärztin. Es ist weiterhin der einzige Anhaltspunkt dafür, dass in Hephata ein Medikament eingesetzt worden sein könnte, das zum fraglichen Zeitpunkt zwar in seinem Wirkstoff bereits regulär im Handel, allerdings in der Darreichungsform als Tropfen noch nicht auf dem Markt gewesen ist.

In dem fraglichen Schreiben kündigt Merck an, 20 mal zehn Kubikzentimeter Tropfen des Medikaments Decentan mit separater Post zu liefern. "Es gibt weder einen Beleg dafür, dass diesem Schreiben eine Bestellung vorausgegangen ist, noch dafür, dass die Lieferung tatsächlich erfolgt und das Medikament entgegengenommen worden ist", sagte Vorstandssprecher Maik Dietrich-Gibhardt. Dennoch habe er die genaue Prüfung von 399 Krankengeschichten beauftragt, die Personen im Alter von damals unter 21 Jahren betrafen, die zwischen 1957 und 1963 in Hephata lebten. Es sei aber kein Hinweis gefunden worden.