Newsfeed-Tickermeldung - Zentralredaktion/epd-Zentralredaktion
Kardinal Marx warnt vor "Sehnsucht nach gestern"

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, hat die eigene Kirche dazu aufgerufen, sich trotz Mitgliederschwunds nicht in alte Zeiten zurückzusehnen. Man müsse lernen und anerkennen, "dass wir in einer pluralen, vielschichtigen Gesellschaft leben", sagte der Kardinal beim St. Michael-Empfang der Bischofskonferenz am Dienstagabend in Berlin. "Das fällt uns auch in der Kirche nicht leicht", räumte er ein.

Dieses Gestern werde es nicht mehr geben. Mit Blick auf das Ergebnis der Bundestagswahl, mit der die AfD ins Parlament eingezogen ist, warnte der Münchener Erzbischof vor Vereinfachungen und der Suche nach Schuldigen. Dies sei "in der Regel eine falsche Fährte". Man dürfe nicht nostalgisch zurückblicken, sondern es gehe darum, "Freiheit auch auszuhalten".

Demokratie verlange das Engagement jedes Einzelnen. Dazu gehöre auch, "vernünftig" zu diskutieren. "Ohne Vernunft werden wir in einer pluralen Gesellschaft nicht zu Lösungen kommen", sagte Marx. Der katholische Bischof forderte die Vertreter der Politik vor allem dazu auf, Europas Einigung voranzubringen und die Flüchtlings- und Migrationspolitik weiter auch humanitär auszurichten. Er sagte, ein Einwanderungsgesetz könne eine Lösung sein, aber nicht nach der Regel, dass man die Schlauesten nach Deutschland hole und die Armen alleine lasse.

Zum St. Michael-Empfang lädt die Bischofskonferenz einmal im Jahr Vertreter von Politik, aus Kultur, Gesellschaft, der eigenen Kirche und anderen Religionsgemeinschaften ein. Zu Gast waren unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), die Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder (CDU) und Andreas Nahles (SPD, Vertreter aus der jüdischen und islamischen Gemeinschaft sowie Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), darunter Synodenpräses Irmgard Schwaetzer und der EKD-Bevollmächtigte in Berlin, Martin Dutzmann.