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Kardinal Marx: Obergrenze hilft nicht bei Gestaltung von Politik

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hält die Debatte um eine Obergrenze für die Flüchtlingsaufnahme für nicht zielführend. Man könne nicht davon ausgehen, das Problem sei erledigt, wenn man eine Obergrenze festlegt, sagte der Münchner Erzbischof am Dienstag in Berlin. Bei der Ausgestaltung einer humanitären Politik und von Integration helfe der Begriff nicht.

Marx betonte, es gehe nicht darum, dass die Kirche dafür plädiere, unbegrenzt Menschen aufzunehmen. Um das zu verhindern, müsse das Problem aber umfassender angegangen werden als mit einer Obergrenze. Marx verwies unter anderem auf die nötige Hilfe für Herkunftsländer von Flüchtlingen.

CDU und CSU hatten am Sonntagabend einen Kompromiss zu der von den Christsozialen geforderten Begrenzung der Flüchtlingsbewegung nach Deutschland gefunden. Der katholische Bischof wollte nicht bewerten, ob eine Obergrenze christlich oder unchristlich sei. Wer das "C" im Namen führe, komme aber an der katholischen Soziallehre nicht vorbei, sagte er. "Das 'C' steht jedenfalls nicht einfach für konservativ", sagte er.

Marx unterstrich auch die ablehnende Haltung der Kirche zur Aussetzung des Familiennachzugs für die Gruppe der subsidiär Geschützten. Das sei nicht nur eine humanitäre Frage, es gehe auch um Integration. Familien gehörten zusammen. Von der derzeitigen Aussetzung des Familiennachzugs sind vor allem Syrer betroffen. Die neue Regierung muss entscheiden, ob die im März 2018 auslaufende Regelung weiter gelten soll. Auch die evangelische Kirche lehnt das Verbot des Familiennachzugs ab.