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Kardinal Marx: Muslime müssen Überlieferungen neu deuten

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat die Muslime dazu aufgerufen, die islamischen Überlieferungen im Sinne der heutigen Zeit neu zu deuten. Auf diese Weise würde der Islam auch auf der theoretischen Ebene auf das Prinzip staatsbürgerlicher Rechtsgleichheit und auf die moderne Demokratie hin weiterentwickelt und geöffnet, sagte Marx am Donnerstag zum Abschluss der Herbstvollversammlung der katholischen Bischöfe in Fulda. Gleichzeitig betonte er, die Kirchen müssten "der in Teilen der Bevölkerung gängigen, falschen Gleichsetzung von Islam und islamistischer Gewalt unüberhörbar widersprechen".

Nicht zuletzt der interreligiöse Dialog helfe bei dem Bemühen, Stereotype zu überwinden und Gewalt zu verhindern, sagte der Münchner Erzbischof. "Für Menschen des Glaubens ist es eine bedrängende Erfahrung, dass mit dem islamistischen Gotteskriegertum eine Ideologie an Einfluss gewonnen hat", die Gewalt religiös begründe. "Die muslimischen Autoritäten können nicht genug tun, um dieser Pervertierung von Religion entgegenzutreten", betonte Marx.

Unbezweifelbar sei, dass sich die Staatengemeinschaft gegen den Terrorismus wehren und ihre Bürger schützen müsse. Marx unterstrich: "Dabei sind alle Maßnahmen zum einen am Prinzip der Effektivität und Effizienz, zum anderen am Grundsatz des Rechts zu messen." Maßnahmen der Terrorbekämpfung, die sich außerhalb der Grenzen der Rechtsstaatlichkeit bewegten, fügten dem Gemeinwesen weitere Schäden zu. Auch dürfe das völkerrechtliche Gewaltverbot nicht umgangen oder missachtet werden.

Die Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz ist das höchste Gremium der katholischen Kirche in Deutschland. Im Mittelpunkt der viertägigen Herbstversammlung stand das Thema "Umwelt und integrale Entwicklung als Aufgabe der Kirche". Bei der Vollversammlung wurde der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode (66) zum neuen stellvertretenden Vorsitzenden gewählt.