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Forscher Pollack: Kirche muss bessere Gottesdienste anbieten

Die evangelische Kirche muss nach Ansicht des Religionssoziologen Detlef Pollack ihre Gottesdienste verbessern und ein kantigeres Profil zeigen, um mehr Menschen mit ihrer Botschaft zu erreichen. Gottesdienste müssten einladender, professioneller und kürzer werden, sagte der Wissenschaftler der Universität Münster am Montag vor der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Bonn. Das wichtigste kirchliche Format werde zunehmend zu einer Insider-Veranstaltung, berge aber großes Mobilisierungspotenzial: 60 Prozent der Menschen, die mindestens einmal im Monat in die Kirche gehen, engagierten sich dort ehrenamtlich.

Dass Menschen Gottesdiensten fern bleiben, hängt nach Erkenntnissen des Forschers vor allem damit zusammen, "dass sie am Sonntagvormittag schlichtweg anderes zu tun haben, das ihnen wichtiger ist". Ein Gottesdienst sollte daher nicht länger als 50 oder 60 Minuten dauern. Pollack konstatiert insgesamt eine "schwache religiöse Nachfrage" in der säkularen westlichen Gesellschaft. Das größte Problem der Kirche bestehe heute darin, dass Glaube und Kirche den Menschen nicht so wichtig seien: "Sie haben andere Prioritäten."

Die Kirche müsse daher den Sinn für Religion und "das Unendliche" in der Gesellschaft präsent halten und versuchen, den Menschen die Frage nach Gott dringlich zu machen, sagte Pollack. Was früher das Sündenbewusstsein war, könnte nach seinen Worten heute die Frage der Begrenztheit des Lebens sein.

Mutiger sollte die evangelische Kirche nach Pollacks Worten manchmal sein, indem sie "vom Mainstream des allgemeinen Gutmenschentums" abweicht. "Zum Beispiel, indem sie sich für die Wähler der AfD interessiert und versucht, ihre Anliegen ernst zu nehmen und zu verstehen statt sie zu verurteilen", schlug der Wissenschaftler des Exzellenzclusters Religion und Politik an der Uni Münster vor.

Einen weiteren Ansatzpunkte sieht Pollack darin, Eltern stärker zu einer christlichen Erziehung ihrer Kinder zu motivieren. Zwar würden über 90 Prozent der Kinder mit einem evangelischen Elternteil getauft, nur die Hälfte erhalte aber eine christliche Erziehung. Behindert werde eine effektives und konstruktives kirchliches Handeln auch durch Reibungsverluste zwischen Pfarrern und Kirchenleitung.

Die EKD-Synode berät auf ihrer diesjährigen Tagung schwerpunktmäßig darüber, wie die Aufmerksamkeit durch das 500. Reformationsjubiläum für die unter Mitgliederverlust leidende Kirche genutzt werden kann.