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Emeritierter Papst vergleicht Kirche mit fast sinkendem Boot

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat in seinem Grußwort zur Trauerfeier von Kardinal Joachim Meisner seine Kirche kritisch mit einem vom Sinken bedrohten Boot verglichen. Er nannte sie in dem Schreiben, das sein langjähriger Privatsekretär Georg Gänswein verlas, ein Boot, das manchmal "fast zum Kentern angefüllt ist". Weiter erklärte er, die Kirche brauche Theologen, die "der Diktatur des Zeitgeistes widerstehen".

Wörtlich schrieb der emeritierte Papst, der am 5. Juli gestorbene Meisner sei ein "leidenschaftlicher Hirte und Seelsorger" gewesen, dem es schwerfiel, "sein Amt zu lassen, und dies gerade in einer Zeit, in der die Kirche besonders dringend überzeugender Hirten bedarf, die der Diktatur des Zeitgeistes widerstehen und ganz entschieden aus dem Glauben leben und denken". Weiter hieß es: "Aber umso mehr hat es mich bewegt, dass er in dieser letzten Periode seines Lebens loszulassen gelernt hat und immer mehr aus der tiefen Gewissheit lebte, dass der Herr seine Kirche nicht verlässt, auch wenn manchmal das Boot schon fast zum Kentern angefüllt ist."

Meisner, der von 1989 bis 2014 Erzbischof von Köln war, vertrat streng konservative Positionen und hatte großen Einfluss in konservativen Kreisen der katholischen Kirche. Er galt als Vertrauter von Papst Johannes Paul II. und dessen Nachfolger Benedikt, ging aber auf deutliche Distanz zu Papst Franziskus. Meisner war einer von vier Kardinälen, die in offenen Briefen Kritik geäußert hatten an der Lockerung der kirchlichen Haltung gegenüber wiederverheirateten Geschiedenen, die Franziskus eingeleitet hatte.