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EKD-Chef beklagt "scharfe Töne" in der Flüchtlingsdebatte

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat zu mehr Sachlichkeit in der Flüchtlingsdebatte aufgerufen. "In der Politik sind jetzt scharfe Töne eingekehrt", sagte er der Deutschen Welle. Sie drängten die nach wie vor große Hilfsbereitschaft vieler Menschen in den Hintergrund. Die gegenwärtige Herausforderung sei aber nicht dadurch zu bewältigen, dass man sage: "Wir schließen die Grenzen oder wir setzen Obergrenzen fest."

In dem Interview, das am Sonntag ausgestrahlt werden soll, stellte Bedford-Strohm zugleich klar, "dass nicht alle Menschen, die auf der Flucht sind, nach Deutschland kommen können". Deshalb müsse man nach Wegen suchen, die Zahl der Flüchtlinge für das Land zu reduzieren. Wenn aber "die Entsolidarisierung immer stärker wird und man nur noch an sich denkt und sich nicht anrühren lässt" vom Schicksal derer, die in Not seien, sei das nicht mehr sein Deutschland.

Zugleich äußerte der EKD-Vorsitzende hohen Respekt vor der Arbeit von Hunderttausenden, die sich tagtäglich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren. Dabei arbeiteten Menschen zum Teil bis zur Erschöpfung, leisteten viel und bräuchten dann Ruhe und Pausen. "Aber glücklicherweise gibt es auch viele Menschen, die sich jetzt erst auf den Weg machen zu helfen" und einspringen könnten.

Bedford-Strohm hatte am Donnerstag mit prominenten Vertretern von insgesamt zehn Organisationen und Verbänden einen Aufruf für Weltoffenheit und für Solidarität mit Flüchtlingen unterzeichnet. Dabei gehe es um ein klares Zeichen "gegen Populismus, Radikalismus, gegen eine Verschärfung der Debatte", erläuterte der Ratsvorsitzende.