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Diakonie-Chef: Frühförderung für Kinder in schwierigen Verhältnissen

Angesichts der Bildungsungleichheit in Deutschland fordert der Diakonie-Präsident Ulrich Lilie eine möglichst frühe Förderung von Kindern aus schwierigen Verhältnissen. Mindestens drei Jahre vor Schulbeginn sollten diese Mädchen und Jungen eine Kita besuchen, sagte Lilie dem evangelischen Monatsmagazin "chrismon" (August-Ausgabe): "Wir reden hier über Kinder, die darauf angewiesen sind."

Manchen Kindern fehlten bereits zu Schulbeginn informelle Bildungsvoraussetzungen: "Sie können nicht stillsitzen, sich nicht konzentrieren. Das haben sie nie gelernt", sagte Lilie. In der Grundschule würden sie aussortiert und setzten das Schicksal ihrer Eltern fort. Der Präsident der Diakonie Deutschland kritisierte, das Bildungssystem in Deutschland sei so undurchlässig wie seit 40 Jahren nicht mehr: "Wer in einem armen Haushalt geboren wird, schafft den Aufstieg nicht." Betreuung allein reiche nicht. "Kinder brauchen Frühförderung, mit flächendeckender Betreuung in Kitas, mit gut qualifiziertem Personal", forderte Lilie.

Auch der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln, Michael Hüther, hält Frühförderung für wichtig. "Aber das bedeutet auch, gegen das Elternhaus zu arbeiten und Erziehungsverantwortung stärker von den Eltern auf den Staat zu übertragen", sagte er "chrismon": "Dafür müssen wir kämpfen." Eine Kita-Pflicht ab vier Jahren einzuführen sei verfassungsrechtlich nicht machbar, sagte er mit Blick auf die Forderung des Diakonie-Präsidenten.

Hüther betonte, nach dem Pisa-Schock sei viel passiert: "Es gibt viel mehr Einzelförderung von Schülern." Der Effekt, dass Schüler sozial vorsortiert würden, sei in Deutschland mittlerweile schwächer ausgeprägt als in Großbritannien, Frankreich und der Schweiz. "Trotzdem ist nicht alles toll", räumte er ein. "Wir brauchen mehr Hortplätze und mehr Ganztagsschulen."