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Christliche Konfessionen und Ökumene

Nach dem Thesenanschlag Martin Luthers 1517 breitete sich die Reformation im Deutschen Reich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit aus. Nach dem Augsburger Religionsfrieden von 1555, der den Landesherren das Recht zugestand, über die Konfession ihrer Untertanen frei zu bestimmen, lebten Protestanten und Katholiken in den meisten deutschen Territorien jeweils monokonfessionell für sich.

In den Reichsstädten waren zwar mehrere Konfessionen geduldet, in den meisten blieben dennoch Katholiken oder Protestanten unter sich. In einigen Städten wie Osnabrück und Ulm entwickelte sich jedoch ein bikonfessionelles Nebeneinander. Die Anhänger beider Konfessionen mussten sich gezwungenermaßen arrangieren. Das Verhältnis war noch weit entfernt vom heutigen ökumenischen Miteinander.

Schon damals hätten es die Christen aber auf eine "ganz erstaunlich pragmatische Weise geschafft, den unterschiedlichen Konfessionen gerecht zu werden", erläutert der Theologie-Professor und Reformationsexperte Volker Leppin. Später seien dann erste akademische Diskussionen über die Notwendigkeit von Toleranz geführt worden. Einige Gelehrte gelangten zu der Auffassung, es diene dem Frieden, die Konfessionen nebeneinander bestehen zu lassen.

Letztlich setzte sich auch als Folge kriegerischer Auseinandersetzungen erst im 19. Jahrhundert auf breiter Ebene die Sichtweise durch, dass eine Konfession den Minderheitenstatus der jeweils anderen tolerieren sollte. Die Aufklärung brachte die Erkenntnis, dass es besser sei, wenn der Staat sich ganz aus der Beurteilung der Konfessionen zurückzieht.

Aus dieser Sicht gibt der Staat zwar bestimmte Werte vor, darf aber nicht für eine bestimmte Weltanschauung Partei ergreifen. Erst unter diesen Voraussetzungen konnte sich die Ökumene, das wertschätzende Miteinander zwischen Katholiken und Protestanten, voll entwickeln.