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Chef des Pfarrerverbandes kritisiert Großveranstaltungen in 2017

Der Vorsitzende des Verbandes evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland, Andreas Kahnt, hat die kirchlichen Großveranstaltungen im Jahr des 500. Reformationsjubiläums kritisiert. Die thematische Ausrichtung des Kirchentags im Mai in Berlin "hatte wenig mit reformatorischer Theologie zu tun", sagte Kahnt vor der Mitgliederversammlung des Verbandes am Dienstag in Münster. Es stelle sich die Frage, ob die Kosten der regionalen "Kirchentage auf dem Weg" und der Weltausstellung Reformation in Wittenberg das Ergebnis rechtfertigten. Die Kirchengemeinden dürften nicht zugunsten von Großprojekten finanziell vernachlässigt werden.

Die evangelische Kirche feiert noch bis Ende Oktober 500 Jahre Reformation. 1517 hatte Martin Luther (1483-1546) seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit veröffentlicht, die er der Überlieferung nach am 31. Oktober an die Tür der Wittenberger Schlosskirche nagelte. Der Thesenanschlag gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Reformation, die die Spaltung in evangelische und katholische Kirche zur Folge hatte.

Der Pfarrerverbandsvorsitzende sagte, die Kirche gehe auf einen enormen Personalmangel zu. Zurzeit würden deutschlandweit etwa 290 Vikarinnen und Vikare pro Jahr ordiniert, nur ein gutes Drittel des Bedarfs zur Besetzung freiwerdender Pfarrstellen. Auch Ehrenamtliche seien nicht unbegrenzt belastbar. "Mit dem Priestertum aller Getauften lässt sich kein verlässlicher Pfarrdienst organisieren", sagte Kahnt laut einer Mitteilung des Verbandes. Auch berufliche Quereinsteiger könnten nur zum Teil Entlastung bringen. Das klassische Theologiestudium müsse der Normalfall für Pfarrerinnen und Pfarrer bleiben.