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Bischöfe verteidigen EKD-Familienpapier gegen Kritik

Der badische evangelische Landesbischof Ulrich Fischer hat die umstrittene Orientierungshilfe der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum Thema Ehe und Familie verteidigt. Er sei überrascht über die teils sehr heftigen und kritischen Reaktionen. "Wie man aus einem solchen Text herauslesen kann, dass es um eine Schwächung der Familien geht oder um eine Vergleichgültigung, dass eheliche Formen der evangelischen Kirche nicht mehr wichtig sind, ist mir unverständlich", erklärte Fischer am Dienstag in einem Videobeitrag auf der Internetseite seiner Landeskirche.

In der Orientierungshilfe fordert die EKD, alle Familienformen anzuerkennen und zu stärken und schließt dabei auch etwa Patchworkfamilien oder homosexuelle Partnerschaften ein. Konservative Protestanten und Katholiken kritisierten das Papier, weil es in ihren Augen die Ehe zwischen Mann und Frau entwertet. Auch das württembergische EKD-Ratsmitglied Tabea Dölker hatte sich von der Orientierungshilfe distanziert. Fischer, der auch Mitglied des EKD-Rates ist, erklärte dagegen, das Dokument sei eine "riesige Werbung dafür, Mut zu haben zur Familie, Kinder zu bekommen, Familie zu gründen und Verantwortung zu übernehmen". Der Typus von Familie habe sich in seiner sozialen Gestalt unglaublich geändert, betonte der Landesbischof. Dem trage diese Orientierungshilfe Rechnung.

Bayerns evangelischer Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm bewertet die EKD-Orientierungshilfe ebenfalls als positiv. "Die ethischen Standards, die der Ehe ihre bleibende Bedeutung als Leitbild geben, sollen als Orientierung für alle Lebensformen gelten", betonte Bedford-Strohm am Dienstag in München. Darin sehe er das prinzipielle Anliegen der neuen Schrift der EKD. Niemand müsse Angst haben, dass die Ehe dadurch entwertet werde, betonte der Theologieprofessor. Verbindlichkeit in der Partnerschaft seien jedoch nicht auf Ehen beschränkt. "Wenn etwa Menschen in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften sich gegenseitig Liebe und Treue versprechen, kann man sich aus der Sicht christlicher Ethik doch nur freuen", fügte er hinzu.

Auch die evangelischen Bundesverbände der Frauen und der Männerarbeit verteidigten das Familienpapier der EKD. Die Orientierungshilfe unterstütze Beziehungen, die von verlässlicher Bindung, Verantwortung, Fürsorge und Respekt getragen seien, unabhängig von ihrer Form, erklärten beide Verbände am Dienstag in Hannover. Verantwortung und Verbindlichkeit seien aus christlicher Sicht entscheidend. Zum Verband Evangelische Frauen in Deutschland gehören 38 Mitgliedsorganisationen mit rund drei Millionen Mitgliedern. Die Arbeitsgemeinschaft der Männerarbeit fasst die entsprechenden Einrichtungen in allen 20 Mitgliedskirchen der EKD zusammen.